Arbeitsmarktpolitik: Deutschland gleicht einem alternden Liebhaber

Arbeitsmarktpolitik: Deutschland gleicht einem alternden Liebhaber

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Innovative Branchen brauchen mehr Flexibilität



(firmenpresse) - Berlin - Deutschland geht es ein bisschen so wie einem alternden Liebhaber. Er schaut auf sein früheres Leben zurück. Damals war er noch rank und schlank, charmant und topfit. Der Erfolg bei den Damen stellte sich automatisch ein. Mittlerweile hat er graue Haare und ein paar Pfunde zugelegt. Nicht jede Dame, die er möchte, beißt sofort an. Er muss sich eben eine neue Strategie ausdenken, wie er weiterhin punkten kann. Vergleicht er sich stets mit dem 20-jährigen Don Juan, der er mal war, dann wird es nichts. Denn nichts lähmt so sehr wie der Erfolg vergangener Zeiten. Deutschland leidet unter dieser Krankheit, immer nach hinten und nicht genug nach vorn zu schauen.

Beispiel Niederlande: Von den Holländern sollte man sich nicht abschauen, wie man bei Schnee und Eis mit dem Auto durch die sauerländische Bergwelt fährt, aber in punkto Arbeitszeiten haben unsere Nachbarn einiges zu bieten. „Es ist kein Sakrileg, an einem Feiertag zu arbeiten. Die Deutschen müssen außerdem länger arbeiten, und zwar täglich, wöchentlich und während ihres ganzen Lebens. Kürzere Arbeitszeiten sind zwar für den Einzelnen erfreulich, gesamtwirtschaftlich jedoch schädlich. Mit 60 Jahren in Rente zu gehen ist angenehm, aber unbezahlbar“, schreibt die Autorin völlig zu Recht.

Eine Statistik zur tariflichen Arbeitszeit 2004 für Arbeiterinnen und Arbeiter im verarbeitenden Gewerbe illustriert unsere Luxussituation: In Deutschland (West) lag die Wochenarbeitszeit bei 35,9 Stunden, es gab 30 Tage Jahresurlaub und zusätzlich noch neun Feiertage. Als Resultat kommt man auf eine schlappe Jahressollarbeitszeit von 1.601 Stunden. Zum Vergleich Deutschland (Ost): Wochenarbeitszeit 38,3 Stunden, 29,8 Arbeitstage Urlaub und sieben Feiertage. Das macht immerhin 1.725 Stunden. Fast überall wird länger gearbeitet, so das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Die Schweizer arbeiten 1.852 Stunden im Jahr, die Amerikaner 1.920 und die Japaner 1.811. Ehrlich gesagt wundert es mich nicht, dass die strukturkonservativen Franzosen nur 1.610 Stunden im Jahr arbeiten. Wenn man sich die 35-Stunden-Woche leistet, lebt man ökonomisch gesehen aber wohl nicht mehr so lang wie „Gott in Frankreich“.



„Es ist vielleicht möglich, die Arbeitszeiten von Lehrern oder Finanzbeamten schematisch festzulegen. Bei mittelständischen Unternehmen in hart umgekämpften Branche wie der Informationstechnik oder Telekommunikation geht das nicht. Gerade bei IT-Dienstleistungen gibt es immer jemanden, der weniger Geld für den Job haben will. Wenn man die Bereitschaft zeigt, auch ohne vollen Lohnausgleich ein paar Stunden in der Woche mehr zu arbeiten, kann man gegen diese Konkurrenten bestehen“, so Michael Müller, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters a&o.

Auch in anderen Branchen ist inzwischen Lohnzurückhaltung angesagt. Hoch qualifizierte Akademiker wie Ärzte und Juristen verdienen längst nicht mehr so gut wie noch vor ein paar Jahren, obwohl sie oft 50 oder 60 Stunden in der Woche arbeiten müssen. Von anderen Akademikergruppen mal ganz abgesehen.

„Die ‚Lehren aus Polderland’ machen außerdem deutlich: Die Gewerkschaften müssen sich von ihrem hoheitlichen Anspruch der Tarifautonomie verabschieden und es dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber überlassen, wann wie lange und in welchen Zeiträumen gearbeitet wird. Wir müssen uns auch von dem Irrglauben lösen, dass der Staat für die Bereitstellung von Arbeitsplätzen da ist“, betont Müller.

Der deutsche Arbeitsmarkt müsse sich stärker an internationalen Standards orientieren. Vergleiche man die Arbeitsmarktregulierung für 28 OECD-Länder (Teilindex mit 0 = geringe und 100 = hohe Regulierungsdichte), so komme Deutschland auf den Wert 81. Zum Vergleich: Die USA kommen auf den Wert 12, Großbritannien auf 26 und selbst das bürokratisierte Frankreich „nur“ auf 64. „Untersuchungen des Instituts der deutschen Wirtschaft haben ergeben, dass wir von grenzenloser Freiheit weit entfernt sind“, kritisiert Mittelständler Müller.


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Datum: 29.08.2007 - 16:46 Uhr
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