Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im April 2011[1]
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(PresseBox) - Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem kräftigen Aufschwung. Ihre Dynamik hat sich im Frühjahr deutlich belebt. Nach der vornehmlich witterungsbedingten ruhigeren Entwicklung zur Jahreswende bricht sich die Frühjahrsbelebung nun umso stärker Bahn. Der Aufschwung hat die Wirtschaft in voller Breite erfasst und ihre Widerstandskraft erhöht. Die Auftriebskräfte sind weiterhin stark und verlagern sich immer stärker auf die Binnenwirtschaft. Die Stimmung in der Wirtschaft, bei Unternehmen und Verbrauchern, ist zuversichtlich und stabil. Die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen sind günstig. Laut Umfragen wollen sie kräftig investieren und zusätzliche Beschäftigte einstellen. Die Nachfrage nach deutschen Produkten aus dem In- und Ausland ist anhaltend hoch. Zwar belasten die Natur- und Reaktorkatastrophe in Japan sowie die geopolitischen Ereignisse im arabischen Raum das positive Gesamtbild. Bislang stellen sie allerdings lediglich Risikofaktoren dar, während ihre wirtschaftlichen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft eher gering sind.
Angesichts der positiven Indikatorenlage und der zu beobachtenden Nachholeffekte ist von einer vorübergehend beschleunigten Zunahme der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal auszugehen. Die Bundesregierung legt ihrer Frühjahrsprojektion hier einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von preis-, kalender- und saisonbereinigt[2] 0,8 % zugrunde. Im weiteren Verlauf ist dann von einer wieder etwas ruhigeren Entwicklung auszugehen. Für das gesamte Jahr 2011 rechnet die Bundesregierung mit einer kräftigen Fortsetzung des Aufschwungs und einem Anstieg des BIP um 2,6 %.
Diese Projektion ist ein wenig zurückhaltender als die der Institute, die in ihrer Gemeinschaftsdiagnose vom Frühjahr einen Anstieg des BIP im laufenden Jahr um 2,8 % erwarten.
Die im Produzierenden Gewerbe zu Jahresbeginn recht dynamische Entwicklung setzte sich im Februar fort. Die Erzeugung nahm saisonbereinigt um 1,6 % zu und blieb damit auf Expansionskurs. Hierzu trugen Industrie und Bauhauptgewerbe bei. Die Industrieproduktion wurde um 1,4 % ausgeweitet, nach +0,5 % im Januar. Das Vorjahresniveau wurde im Zweimonatsvergleich arbeitstäglich bereinigt um 14,3 % übertroffen. Für die kommenden Monate zeichnet sich weiteres Wachstum ab. Die Auftragseingänge in der Industrie erhöhten sich im Februar um 2,4 %, nach einem Plus von 3,1 % im Januar. Die Nachfrageimpulse kamen wieder gleichgewichtig aus dem In- und Ausland und zeugen von der zunehmenden Binnenkonjunktur. Das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe hellte sich daher bis zuletzt weiter auf.
Die Produktion im Bauhauptgewerbe wurde im Februar weiter um 3,4 % erhöht und dürfte in der Tendenz leicht aufwärts gerichtet bleiben. Bereits im Vormonat waren die witterungsbedingten Produktionseinbußen des scharfen Wintereinbruchs aufgefangen worden. Die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe blieben trotz Auftragsplus zu Jahresbeginn tendenziell rückläufig. Die Perspektiven für die einzelnen Bereiche sind aber sehr unterschiedlich. Zwar dürfte die öffentliche Nachfrage nach Bauleistungen schwach bleiben. Demgegenüber ist bei der privaten Baunachfrage, gestützt auf niedrige Zinsen und die günstige gesamtwirtschaftliche Entwicklung, von einer stetigen Expansion auszugehen.
Die privaten Konsumausgaben dürften ebenfalls weiter zunehmen. Hierfür sprechen die Umsätze im Einzelhandel im engeren Sinne (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen), die ebenso wie die Umsätze im Handel mit Kraftfahrzeugen im Februar in der Tendenz weiter zulegten und preis- und saisonbereinigt im Zweimonatsvergleich um 1,2 % bzw. 6,1 % anstiegen. Das Konsumklima wird zwar gegenwärtig durch den beschleunigten Preisauftrieb etwas getrübt, blieb aber weiterhin recht positiv. Die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und die damit einhergehende Zunahme der verfügbaren Einkommen liefern hierfür eine solide Basis.
Die Ausfuhren an Waren stiegen weiter an. Im Februar nahmen sie in jeweiligen Preisen saisonbereinigt um 2,7 % und im Zweimonatsvergleich[3] um 0,6 % zu. Die reale Rechnung wird allerdings durch die gegenwärtig stark anziehenden Im- und Exportpreise gedämpft. Nominal blieben aber auch die Wareneinfuhren recht dynamisch. Sie erhöhten sich im Februar im Zweimonatsvergleich saisonbereinigt um 2,8 %. Die Rahmenbedingungen für die Außenwirtschaft bleiben positiv. Die Weltwirtschaft expandiert, der Welthandel nimmt weiter zu und die Auslandsnachfrage nach industriellen Erzeugnissen ist weiter lebhaft.
Der Arbeitsmarkt wurde nach dem anfänglich strengen Winter umso kräftiger von der Frühjahrsbelebung erfasst. Diese verstärkte noch die konjunkturell bedingten positiven Grundtendenzen. Die Beschäftigung erhöhte sich im Februar daher deutlich um saisonbereinigt 33.000 Personen. Dabei nahm die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Januar noch kräftiger um 65.000 Personen zu. Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen bleibt hoch. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit setzt sich fort und fiel im März mit saisonbereinigt -55.000 Personen beeindruckend deutlich aus, obwohl die Entlastungswirkungen der Arbeitsmarktpolitik nachließen.
Einen leichten Schatten auf die gesamtwirtschaftlich positive Entwicklung wirft das allgemeine Preisklima. Es trübte sich in den vergangenen Monaten insbesondere durch den Anstieg der Rohölpreise spürbar. Die Verbraucherpreise stiegen im März wie bereits im Vormonat binnen Jahresfrist um 2,1 %. Ausschlaggebend waren insbesondere Preisanhebungen für leichtes Heizöl, Kraftstoffe und bei Nahrungsmitteln. Die Kerninflationsrate, also der Anstieg der Verbraucherpreise ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel, verblieb bei 1,0 %. Der Anstieg der übrigen Preiskomponenten hält sich demnach noch in Grenzen.
Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Mai-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe wird voraussichtlich am Ende der 16. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden sein.
[1] In diesem Bericht werden statistische Daten verwendet, die bis zum 15. April 2011 vorlagen.
[2] Wenn nicht anders vermerkt, handelt es sich bei den saisonbereinigten Angaben um Berechnungen nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA.
[3] Mehrmonatsvergleiche sind einfache Verfahren, um den Einfluss von Zufallsschwankungen zu reduzieren und die Grundtendenz deutlicher hervorzuheben. Zweimonatsvergleich: Veränderung Januar/Februar gegenüber November/Dezember.
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Datum: 19.04.2011 - 11:18 Uhr
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