Föderalismusposse zulasten der Sanierungschancen von Unternehmen

Föderalismusposse zulasten der Sanierungschancen von Unternehmen

ID: 390961

Bundesrat lehnt die Konzentration der Insolvenzgerichte und eine verbesserte Ausbildung für Richter und Rechtspfleger ab



(firmenpresse) - Auf mehr Gläubigerrechte in Insolvenzverfahren, verbesserte Sanierungschancen für Un-ternehmen und weniger volks- und betriebswirtschaftliche Schäden zielt eine Vorlage der Bundesregierung, die der Bundesrat am Freitag behandelte: der Gesetzentwurf zur weite-ren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen, kurz ESUG. Die Stellungnahme, die die Länderkammer zustande brachte, gleicht nach Ansicht der Gläubigerschutzvereinigung Deutschland e.V. (GSV) jedoch einer Föderalismusposse. Sie trägt weder der zu-nehmenden Internationalisierung sowie der Komplexität wirtschaftlicher Prozesse in Krise und Insolvenz Rechnung noch dem gestiegenen Qualifizierungsbedarf des gerichtlichen Personals.
„Während in den USA ein Insolvenzrichter den Status eines Bundesrichters hat und über einen kompetenten Beraterstab verfügt, verharren die Bundesländer im provinziellen und kleinkarierten Denken des 19. Jahrhunderts und schädigen so den Wirtschafts- und Sa-nierungsstandort Deutschland nachhaltig“, so die Reaktion von Prof. Dr. Hans Haarmeyer, GSV-Vorsitzender und renommierter Experte.
Die Einschätzung des Bundesrates, dass der deutsche Einheitsjurist zur Bewälti-gung aller Fragen in der Lage sei und daher keiner spezifischen Fortbildung bedür-fe, wiederspricht der gemeinnützige Verein entschieden. Auch die Weigerung, die Insolvenzgerichte zu konzentrieren und die Kompetenzen effizient zu bündeln, kann der GSV nicht nachvollziehen.
Mit seiner Kritik steht der GSV nicht allein. Zahllose Experten, darunter der Bundesar-beitskreis der Insolvenzgerichte (BAKinso) - eine Vereinigung der Richter und Rechtspfle-ger in Insolvenzverfahren -, fordern schon seit langer Zeit eine intensive Aus- und Weiter-bildung und die Konzentration von Standorten und Kenntnissen.
Nach Auffassung des GSV hat jedes Unternehmen in Deutschland einen Anspruch darauf, dass im Insolvenzfall durch professionelles Management Sanierungschancen erhalten und genutzt werden. Das setze aber, so der GSV, voraus, dass an jedem Gericht und zu jeder Zeit mindestens ein Richter und Rechtspfleger mit der notwendigen betriebswirt-schaftlichen Kompetenz vorhanden ist. „Die ersten Entscheidung sind stets wirtschaftlich und nicht rechtlich bestimmt, stellen aber die wesentlichen Weichen in die richtige oder falsche Richtung“, lautet die langjährige Praxiserfahrung von Haarmeyer.


Während in allen gesellschaftlichen Bereichen gilt, dass Professionalität sich nur in der tagtäglichen Praxis entwickeln kann, halten die Justizministerien der Länder, vornehmlich in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hessen, an Strukturen und Mini-Insolvenzgerichten fest, in denen nicht einmal ein Zehntel der Arbeitskraft ei-nes Richters auf Insolvenzsachen entfällt – während der daneben dann auch noch Straf-, Zivil- oder Familiensachen erledigt.
„Die Justizverwaltungen der Länder“, so Haarmeyer, „leisten mit dieser Haltung der Ver-nichtung von Arbeitsplätzen Vorschub und halten Strukturen aufrecht, in denen es maß-geblich um die Pflege gewachsener Beziehungen zwischen örtlichen Gerichten und regi-onalen Verwaltern geht, nicht aber um das gesamtwirtschaftliche Interesse.“ Da die meis-ten der regionalen Verwalter Insolvenzverfahren auch nur gelegentlich und nicht vollpro-fessionell wahrnehmen, treffen sich hier, so Haarmeyer „zwei Blinde“, die sich wechselsei-tig versichern, dass Sie besonders gut sehen können. Die vorgenannten Strukturen gehen nicht nur zu Lasten der Gläubiger, sondern letztlich – durch die resultierende Vernichtung von Arbeitsplätzen – vor allem zu Lasten der Steuerzahler.
Der GSV fordert vor diesem Hintergrund die Bundesregierung auf, an ihren Plänen zur Konzentration und zur besseren Qualifikation festzuhalten.
Ein Insolvenzrichter im 21. Jahrhundert muss angesichts der globalisierten Unterneh-mensbeziehungen in der Lage sein,
•sich mit komplexen rechtlichen Fragen auseinanderzusetzen,
•gegebenenfalls mit ausländischen Gerichten zumindest in Englisch verhandlungssicher zu kommunizieren,
•die oftmals nur rudimentären Informationen über die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens dahingehend zu interpretieren, ob eine Sanierung möglich ist und wie die nächsten Schritte in diese Richtung erfolgversprechend aussehen.
Erfahrungsgemäß müssen an einem Gericht mindestens 200 Unternehmensinsolvenzen jährlich anfallen, damit sich die erforderliche Expertise und Effizienz der Beteiligten durch die tagtägliche Erfahrung ausbilden kann. In diesem Bewusstsein hat der GSV gemeinsam mit Hochschulen und anerkannten gemeinnützigen Instituten den Landesjustizver-waltungen die kostenlose Aus- und Weiterbildung des Justizpersonals angeboten. Mit ihrer ablehnenden Stellungnahme im Bundesrat, so Haarmeyer, hätten sich die Justiz-verwaltungen als ernst zu nehmende Diskussionspartner nun selbst ins Abseits gestellt.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:

Die Gläubigerschutzvereinigung Deutschland e.V. (GSV) wurde von einem breiten Bündnis institutioneller Gläubiger, Unternehmen und Wissenschaftlern initiiert. Ziel ist eine bundesweite Interessenvertretung der Gläubiger in Krise und Insolvenz. Der GSV vertritt die Interessen aller Gläubiger, insbesondere des ungesicherten Mittelstandes (KMUs) sowie der institutionellen Gläubiger, die die größten Lasten in Insolvenzverfahren zu tragen haben. Deren optimale Interessenvertretung im Insolvenzverfahren sowie eine Ver-besserung der Beteiligung an den wesentlichen Entscheidungen im Verfahren, ist die vor-rangige Aufgabe des GSV. Der GSV bündelt die Interessen und kooperiert mit allen betei-ligten Interessengruppen partnerschaftlich. So lassen sich
• durch frühzeitige Sanierungsbemühungen volks- und betriebswirtschaftliche Schäden reduzieren,
• Vertretungen und Ergebnisse in Insolvenzverfahren optimieren,
• qualitätsgesicherte Standards und Transparenz in der Praxis etablieren,
• notwendige gesetzliche Veränderungen zur Stärkung der Gläubiger vorantreiben.



Leseranfragen:

Gläubigerschutzvereinigung Deutschland e.V. / Hohenzollernring 72 / 50672 Köln / Tel: 0221•12 604 100 / Fax: 0221•12 604 150 / info(at)gsv.eu



PresseKontakt / Agentur:

c/o KOLLAXO
Lars Langhans
Berliner Freiheit 26 • 53111 Bonn
Fon: 0228/850410-58 • Fax: -59
Mobil: 0151/405 305 95
E-Mail: GSV-presse(at)kollaxo.com



drucken  als PDF  DGAP-News: Willkie Farr&Gallagher LLP: Willkie berät Arkema bei Erwerb der Kunstharzsparte der Total S.A. Generalversammlung der GAM Holding AG
Bereitgestellt von Benutzer: VHI
Datum: 19.04.2011 - 18:50 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 390961
Anzahl Zeichen: 5027

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Lars Langhans
Stadt:

Bonn


Telefon: 022885041058

Kategorie:

Wirtschaft (allg.)


Meldungsart: Finanzinformation
Versandart: Veröffentlichung
Freigabedatum: 19.04.2011

Diese Pressemitteilung wurde bisher 435 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Föderalismusposse zulasten der Sanierungschancen von Unternehmen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Gläubigerschutzvereinigung Deutschland e. V. (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Insolvenzverwalter sind zu oft die einzigen Gewinner ...
Köln. Fast zwei Drittel aller Insolvenzverfahren enden mit einer Quote von 0, die Firmen verschwinden vom Markt und die Gläubiger gehen leer aus. Selbst in den erfolgreicher verlaufenden Fällen sind Mini-Quoten von durchschnittlich gerade einmal drei Prozent zu verzeichnen. Auch hier steht ein ko

Gläubigerschutzvereinigung startet Regionalnetzwerk zur Vertretung von Unternehmen und Institutionen in Insolvenzverfahren ...
Köln. Die Gläubigerschutzvereinigung Deutschland e. V. (GSV) hat in Zusammenarbeit mit der österreichischen KSV1870 Gruppe ein bundesweites Regionalnetzwerk zur Interessenvertretung der Gläubiger in Insolvenzverfahren aufgebaut. Damit bestehen erstmalig die Voraussetzungen für eine aktive Betei

Schlechte Quoten für Gläubiger trotz Insolvenzrechtsreform ...
Essen, 22.07.2009. Zehn Jahre nach der Insolvenzrechtsreform ist die Befriedigungsquote für Insolvenzgläubiger gegenüber der alten Konkursordnung nicht gestiegen. Sie verharrt durchschnittlich bei geringen 3,6 Prozent und erreicht auch nur bis 5,4 Prozent bei massereichen Verfahren. In 63% aller


Weitere Mitteilungen von Gläubigerschutzvereinigung Deutschland e. V.


Empfehlung von Ethos Actelion Verwaltungsrat bei der Generalversammlung des Unternehmens zu unterstützen ...
Actelion Pharmaceuticals Ltd / Empfehlung von Ethos Actelion Verwaltungsrat bei der Generalversammlung des Unternehmens zu unterstützen . Verarbeitet und übermittelt durch Thomson Reuters ONE. Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent verantwortlich. Führender Stimmrechtsberater lehnt

DGAP-News: Willkie Farr&Gallagher LLP: Willkie berät Arkema bei Erwerb der Kunstharzsparte der Total S.A. ...
DGAP-News: Willkie Farr&Gallagher LLP / Schlagwort(e): Firmenübernahme Willkie Farr&Gallagher LLP: Willkie berät Arkema bei Erwerb der Kunstharzsparte der Total S.A. 19.04.2011 / 17:14 --------------------------------------------------------------------- Arkema S.A. hat am vergangen Fre

Topmac Holdings PLC t/a AURUMEX informiert über die Produktion bei seiner Mine Fairview ...
Topmac Holdings PLC t/a AURUMEX informiert über die Produktion bei seiner Mine Fairview London, UK, 19.04.2011 Topmac Holdings PLC t/a Aurumex (Handel an der Börse Frankfurt WKN: A1CX2W Symbol: LP7) gibt heute die Einnahmen aus der Produktion bei seiner Mine Fairview in Twin B

Hathor Exploration Limited steht vor dem Erwerb von Terra Ventures Inc. ...
Hathor Exploration Limited steht vor dem Erwerb von Terra Ventures Inc. Vancouver (British Columbia). Hathor Exploration Limited (TSX: HAT) („Hathor“) und Terra Ventures Inc. (TSX-V: TAS) („Terra“) meldeten heute gemeinsam, dass sie ein verbindliches Abko


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z