Zweifel an Marktwirtschaft und Demokratie wachsen
ID: 490692
Begünstigt unser System nur noch Finanzspekulanten und Sozialschmarotzer?
Für diese Systemkrise macht Personalberater Michael Zondler, Geschäftsführer von Centomo http://www.centomo.de in Sindelfingen, aber in erster Linie die Politik verantwortlich, weniger Manager und Vertreter der Finanzbranche: "Die Politiker schieben den schwarzen Peter weiter an die Wirtschaft, an Banker oder angeblich gierige Spekulanten. Diese Kritik mag im Einzelfall ja zutreffen. Fakt ist aber auch, dass uns die derzeitigen Probleme mit dem Euro vornehmlich von der politischen Klasse eingebrockt wurden. Nicht die "amerikanischen" Ratingagenturen sind für die Probleme in Griechenland verantwortlich. Politiker haben einfach nicht ihre Hausaufgaben gemacht. Um bei der Euro-Rettung einen immer tieferen Schluck aus der Pulle nehmen zu können, argumentieren sie nun, dass wir ständig neue und größere Rettungsschirme brauchen, um den Euro-Raum gegen Spekulanten zu verteidigen. Diese Argumentation ist nicht nur sehr schlicht und falsch, sondern ziemlich heuchlerisch. Für eine solide Finanzpolitik und die Einhaltung von Regeln sind Politiker und nicht die Märkte verantwortlich. Angesichts des mittelmäßigen Personals in der Politik sind Zweifel angebracht, ob wir schnell und reibungslos aus der Krise kommen."
Zweifel am Kapitalismus kommen aber nicht nur aus der linken Ecke oder aus Kreisen der sich als unfähig erweisenden Politikerkaste - sie kommen mehr und mehr aus der Mitte der Gesellschaft. Wolfgang Ockenfels beispielsweise ist ein recht unorthodoxer katholischer Kirchenmann. Der leidenschaftliche Zigarrenraucher nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er zu kirchlichen oder politischen Fragen Stellung nimmt. Neben seinem Hauptberuf als Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Trier überzeugt Ockenfels als Redner insbesondere auch zu wirtschaftlichen Fragen.
Sein aktuelles Buch http://www.amazon.de/Was-kommt-nach-dem-Kapitalismus/dp/3867441774 ist dem Kapitalismus gewidmet, unter dessen Entartungen die aktuelle Finanz- und Wirtschaftswelt, ja ganze Gesellschaften seiner Auffassung nach kranken. Mit Ludwig Erhard und seiner Sozialen Marktwirtschaft haben das skrupellose Treiben der Boni-Banker und Spekulanten sowie die immer neuen Euro-Rettungsschirme nichts mehr zu tun, meint Ockenfels: "Die finanzkapitalistischen Rückfälle mit ihren ungeheuren Maßlosigkeiten und Wertzerstörungen haben freilich nicht nur den Kapitalismus diskreditiert. Auch die sozialakzentuierte Marktwirtschaft deutscher Prägung hat einen gewaltigen Vertrauensverlust erlitten." Der globale Kapitalismus habe abgewirtschaftet und sei an seiner eigenen Maßlosigkeit gescheitert.
Der Autor fordert die Rückkehr zu einer sozial und zugleich ökologisch ausgerichteten Marktwirtschaft, die nicht nur als nationalökonomische Kategorie oder als westeuropäisches Leitbild zu begreifen, sondern auch im Weltmaßstab anzuwenden sei. Mit seinem Plädoyer für die Übertragung der Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft im Weltmaßstab an Stelle des Kapitalismus vornehmlich anglo-amerikanischer Provenienz stützt sich Ockenfels auch auf die Haltung der Päpste, die einen unregulierten Kapitalismus und vor allem den Sozialismus-Kommunismus aus religiösen, moralischen und sozialethischen Gründen ablehnen: "Dieser gilt sei 1989, seit dem Zusammenbruch des "Ostblocks" als hinfällig. Jener ist in diesem Jahr in eine massive internationale Krise geraten."
Auch wenn sich der Verfasser gegen die globalen Spieler mit ihrem Deregulierungsmantra wendet, heißt dies nicht, dass er kein offenes Auge für die Missstände unseres "Sozialstaats" hat. Die Höhe des Sozialetats sei kein alleiniger Indikator für soziale Gerechtigkeit. Allerdings müsse auch die zunehmende Gier der Profiteure und Spekulanten wirksam bekämpft werden.
Politiker Pflüger nimmt ähnlich wie Zondler die Politiker in die Pflicht. Zweifel seien angebracht, ob an der derzeitigen Gemengelage vor allem "die Wirtschaft", "der Markt" oder "die Finanzmärkte" schuld seien. Nicht wenige führen das Führungsversagen in erster Linie auf die Unfähigkeit der Politik zurück, für die globalisierte Wirtschaft einen gerechten Ordnungsrahmen zu schaffen. Pflüger erklärt das vermeintliche Versagen des Marktes auch damit, dass man nach Ende der Systemkonfrontation mit dem Osten im Westen träge geworden sei. Über Jahrzehnte hinweg habe der real existierende "Sozialismus next door" durch seine schiere Existenz besonders in Deutschland dazu beigetragen, den Kapitalismus sozial zu machen und zu humanisieren: "Die Marktwirtschaft musste sich ständig weiterentwickeln, um in der Systemkonfrontation zu bestehen". Heutzutage lege die Marktwirtschaft zu wenig Wert auf ihre soziale Dimension und verkslave sich stattdessen der schnellstmöglichen Gewinnmaximierung. Und so glauben immer mehr Menschen, unser System eigne sich nur für "Finanzspekulanten und Sozialschmarotzer", während die hart arbeitende und Steuern zahlende Mittelschicht leer ausgeht.
Literaturtipp:
Wolfgang Ockenfels: Was kommt nach dem Kapitalismus? Sankt Ulrich Verlag: Augsburg 2011. 176 Seiten. 16,95 Euro. ISBN: 978 - 3 - 86744 - 177 - 3.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
ockenfels
kapitalismus
pf-gler
centomo
zondler
sozialschmarotzer
spekulanten
cicero
ludiwg-erhard
marktwirtschaft
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Das Redaktionsbüro Andreas Schultheis bietet Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Ghostwriting, Manuskripte, Redevorlagen etc. für Unternehmen, Verbände, Politiker.
Andreas Schultheis, Text & Redaktion
Andreas Schultheis
Heisterstraße 44
57537 Wissen
schultheisoffice(at)aol.com
02742967527
http://www.xing.com/profile/Andreas_Schultheis2
Datum: 30.09.2011 - 08:31 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 490692
Anzahl Zeichen: 6132
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Andreas Schultheis
Stadt:
Wissen
Telefon: 02742967527
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Meldungsart:
Anmerkungen:
Diese Pressemitteilung wurde bisher 418 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Zweifel an Marktwirtschaft und Demokratie wachsen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Andreas Schultheis, Text&Redaktion (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Von Ansgar Lange +++ August 2014. Gibt man das Wort Tantra bei Google-News ein, dann merkt man schnell: Wir leben in Deutschland. Bei uns gibt es für alles ein Gesetz oder zumindest eine Steuer. Unter der witzigen Überschrift "Tantra ist zu viel des Vergnügens" berichtet die Frankfurter
Der Fall Roland Koch ...
Von Ansgar Lange +++ August 2014. Roland Koch war lange Zeit ein Star in der deutschen Politik. Er galt als der Wirtschaftsfachmann der CDU und der letzte Konservative in der Union. Das Kanzleramt hätte man ihm ohne Bedenken zugetraut. Es spricht für das Selbstbewusstsein des früheren hessischen
Mythos oder Ammenmärchen? ...
Von Ansgar Lange +++ August 2014. Was soll man denn nun glauben? Haben wir einen Fachkräftemangel oder nicht? Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Medium den absoluten Notstand beim Kampf um die besten Talente ausruft. Deutschland drohe ein massiver Fachkräftemangel. Viele können diese Bot
Weitere Mitteilungen von Andreas Schultheis, Text&Redaktion
Minister Schneider zur positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Frauen profitieren immer noch zu wenig ? ihr Fachkräftepotential wird nicht ausreic ...
Düsseldorf, 29.09.2011 Das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen teilt mit: Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Guntram Schneider lobt die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in NRW, die laut der neuesten Daten einen deutlichen Rückgang der
Deutschland soll gestrandete Flüchtlinge aus Nordafrika aufnehmen ...
29. September 2011 - Pro Asyl und Amnesty International fordern die Bundesregierung auf, anerkannte Flüchtlinge aus Nordafrika aufzunehmen. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Tags des Flüchtlings in Deutschland appellierten die beiden Organisationen an Bundesinnenminister Hans-Peter Fried
Rede des FDP-Bundesvorsitzenden und Bundesministers für Wirtschaft und Technologie, Dr. Philipp Rösler, heute im Deutschen Bundestag (29.09.2011) ...
ilipp Rösler, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie: Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir haben in Deutschland nicht nur großartige Wachstumszahlen. (Zurufe von der SPD: Trotz Ihrer Partei! - Aber nicht bei der FDP!) Gerade heute hat Frau von der Le
Nahles: SPD gratuliert Trägern des Alternativen Nobelpreises ...
Zur Entscheidung der Jury über die Vergabe des Alternativen Nobelpreises erklärt die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles: Im Namen der gesamten SPD gratuliere ich den Preisträgerinnen und Preisträgern zu dieser wichtigen Auszeichnung. Der chinesische Unternehmer Huang Ming kämpft unerm




