Aufruf zur behutsamen Sanierung der Staatsoper Unter den Linden in Berlin
ID: 53218
Paulicks Ausgleich zwischen Geschichte und Gegenwart
Paulicks Ausgleich zwischen Geschichte und Gegenwart
Berlin, 7. Juli 2008. Das von Georg Wenzeslaus v. Knobelsdorff erbaute Opernhaus sollte Bestandteil eines neuen Schlossforums für Friedrich II. werden. Ebenso wie beim Neuen Flügel in Charlottenburg und in Sanssouci war die Dekorationslust des Rokoko mit seiner phantasievoll-sprühenden Ornamentik das wesentliche charakteristische Merkmal der Innengestaltung.
Diese Innendekoration ging bei einem klassizistischen Umbau, einem Brand und schließlich im 2. Weltkrieg verloren. Gleichwohl orientierte sich der Wiederaufbau bisher jedesmal an den Intentionen Knobelsdorffs. Auch nach dem 2. Weltkrieg näherte der Architekt Richard Paulick die Lindenoper dem Knobelsdorffschen Rokoko mit seinen drei Rangböden wieder an. Der Wiederaufbau stellte die stadträumliche Wirkung wieder her; die funktionalen Verbesserungen stehen im Einklang mit dem historischen Charakter des Bauwerks.
Richard Paulick war Schüler des Neuen Bauens der Weimarer Republik: Meisterschüler Hans Poelzigs, Mitarbeiter von Walter Gropius, Wegbereiter der Moderne im östlichen Nachkriegsdeutschland nach dem Ende des Stalinismus. Sein Wiederaufbau-Entwurf ist eine Gratwanderung zwischen Denkmalpflege und modernen Anforderungen: Paulick ging selbstbewusst mit Knobelsdorffs Palladianismus um und fand einen dem Geist des Hauses entsprechenden, über den Tag hinaus bewahrenswerten Ausgleich zwischen Geschichte und Gegenwart!
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Datum: 08.07.2008 - 22:37 Uhr
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