Mangelnde Teilhabe erhöht das Armutsrisiko für Menschen mit Behinderung
VdK fordert zügige Umsetzung des NRW-Aktionsplans NRW inklusiv - eine Gesellschaft für alle
Grund dafür sei unter anderem ein Bildungssystem, in dem der größte Teil der Menschen mit Behinderung in Förderschulen unterrichtet und dem so die Teilhabe am Unterricht in den Regelschulen verwehrt werde. Nur etwa 19 Prozent der Menschen mit Behinderung beendeten erfolgreich die Realschule oder eine vergleichbare Bildungseinrichtung, nur etwa 12 Prozent erlangten die Fachhochschulreife oder das Abitur*. Durch geringere Bildungsteilhabe werde so frühzeitig die Möglichkeit einer Erwerbstätigkeit am ersten Arbeitsmarkt nahezu ausgeschlossen und damit die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben behindert. Nicht ohne Grund lautete das Motto der Aktion Grundgesetz von 1997: Behindert ist man nicht, behindert wird man.
Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass Menschen mit Behinderung europaweit, und damit auch in Deutschland, überproportional von Armut betroffen sind. Das belegt auch eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit dem Titel Sickness, Disability and Work aus dem Jahr 2010. Demnach hatten Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland bereits vor der Wirtschaftskrise eine 2,5-fach höhere Wahrscheinlichkeit von Arbeitslosigkeit betroffen zu sein, als ein Mensch ohne Handicap, so Fries. Darüber hinaus belegten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit, dass Menschen mit Behinderung nicht so am wirtschaftlichen Aufschwung partizipierten
wie Menschen ohne Behinderung. Zwar würde die Zahl der Arbeitslosen - einschließlich der Langzeitarbeitlosen - in NRW insgesamt sinken, trotzdem sei bei Menschen mit Behinderung ein ungebrochen ansteigender Trend von Arbeitslosigkeit erkennbar. So waren im November 2011 in NRW 45.267 schwerbehinderte Menschen arbeitslos - zwei Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Unsere Gesellschaft definiert sich über Erwerbsarbeit. Ohne sie droht nicht nur materielle Armut, sondern auch soziale Exklusion. Dem muss und kann entgegengewirkt werden, denn moderne Gesellschaften können Partizipationsmöglichkeiten regulieren. Ausgrenzungsprozesse sind umkehrbar oder auch vermeidbar. In diesem Sinne sehen wir die Landesregierung in der Pflicht, den ursprünglich bereits für den Sommer angekündigten landesweiten Aktionsplan NRW inklusiv - eine Gesellschaft für alle endlich zu präsentieren und umzusetzen. Von dem Aktionsplan erwarten wir unter anderem klare Aussagen zu den geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der Übergänge von der Schule in den Beruf, zur Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt und insbesondere zur Öffnung der Regelschule für Schülerinnen und Schüler mit Behinderung, sagte der VdK-Landesvorsitzende.
verantwortlich: Daniela von Jagow
*Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland, Pressemitteilung Nr. 406 vom 30.10.2008: Lebenslagen von Menschen mit Behinderung.
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Datum: 02.12.2011 - 10:20 Uhr
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