Neue OZ: Kommentar zu Tag der Muttersprache
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Nicht ohne Grund wird gerade heute der Tag der Muttersprache
gefeiert: Genau vor 60 Jahren feuerte Pakistans Polizei auf Bürger,
die gegen die Inthronisierung des Minderheiten-Idioms Urdu als
Amtssprache demonstrierten. Es gab Tote. Jahrzehnte später führte der
Konflikt zur Abspaltung des bengalischen Sprachgebiets - und damit
zur Entstehung von Bangladesch.
Im Extremfall geht die Bedrohung von Sprachen tatsächlich mit
existenziellen Gefahren für die Menschen einher, die sie gebrauchen.
Sprachpolitik kann ein Instrument rassistischer Diskriminierung sein
- und sogar die Landkarte verändern.
In Deutschland geht das Sprachsterben undramatischer vonstatten -
als Folge von Bevölkerungswandel, wachsender Mobilität und
Globalisierung. Je mehr die Region als sozialer Bezugsrahmen an
Bedeutung verliert, desto eher verschwindet die Regionalsprache. Tote
gibt es dabei nicht, aber auch hier geht Unersetzliches verloren:
Jedes Wort ist eine Welt - und mit ihm sterben das Wissen und die
Erfahrungen von Generationen.
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Datum: 20.02.2012 - 22:00 Uhr
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