Neue OZ: Kommentar zu Kiel
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Wasser schwappt in Kiel überallhin. Notfalls bis in die
Stadtmitte. Jetzt wird auch noch der Rathausplatz geflutet - mit
einem Tränenmeer. Wenn dort Puccinis Gefühlsschocker "Tosca" als
Open-Air-Spektakel läuft, sollen Zuschauer zu Heulsusen werden. Dazu
gibt es "La Traviata" als Überdosis der Emotion. Wieder wird
geflennt. Verdi lässt Nordlichter reihenweise dahinschmelzen. Ach
Gott, ach nee. Ach Kiel!
Wie muss es um das Theater dieser Landeshauptstadt stehen, dass
Erfolg dermaßen herbeigezwungen werden muss? "Tosca" taugt nur
draußen zum Theaterereignis. "La Traviata" ist eigentlich die Oper
zum Film. Loriots Fassung von "Ein Karneval der Tiere" rezitiert -
das ist der beste Witz dieses Spielplan-Aberwitzes - ausgerechnet Sky
du Mont. Platter ist Quote selten bedient worden.
Kiel bläst Oper und Theater auf - um sie als Rührstückchen zu
verkaufen. Ergriffenheit schlägt Einsicht, Event verdrängt Eleganz.
Da hilft nur der ganz andere Besetzungszettel: FDP-Mann Kubicki als
Loriot-Rezitator, "Tatort"-Ermittler Borowski als Opernbösewicht
Scarpia, Heide Simonis als arme Traviata. Das hätte was.
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Datum: 02.04.2012 - 22:00 Uhr
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