DER STANDARD-KOMMENTAR "Mutti wirdx{2588}s schon richten" von Birgit
Baumann
ID: 618480
eigenen Leben. Da sagt man etwas zu, es nervt eigentlich, aber bitte,
wird schon nicht so schlimm sein, und vielleicht vergisst der andere
seine Forderung auch, oder es kommt etwas dazwischen. Und dann pocht
das Gegenüber doch darauf, und man steht ziemlich dumm da.
So ergeht es der deutschen Kanzlerin Angela Merkel gerade beim
Betreuungsgeld. Stur wie ein Panzer beharrt die CSU auf Erfüllung des
Koalitionsvertrags, pocht also darauf, ab 2013 jene Elternteile mit
Bargeld zu belohnen, die ihre Kinder nicht in den Kindergarten
schicken, sondern daheim betreuen. Überflüssig zu erwähnen, dass dies
meist die Frauen sind.
Eurokrise um Eurokrise haben CDU und CSU gemeinsam bewältigt, und
jetzt ist wegen eines vergleichsweise überschaubaren Themas Feuer am
Dach. Das ist einerseits erstaunlich, andererseits verständlich.
Viele CDU-Abgeordnete haben in dieser Phase alles mitgemacht, nur um
den Euro, die EU, ja überhaupt gleich die Weltwirtschaft nicht zu
gefährden.
Jetzt mucken sie auf - nicht alleine, weil sie sich den autoritären
Kurs der CSU nicht länger gefallen lassen wollen. Auch inhaltlich
passt ihnen die "Herdprämie" nicht. Unbestreitbar profitieren gerade
kleine Kinder aus den sogenannten bildungsfernen Schichten stark vom
Kindergarten.
Ebenso nachweislich wird der Wiedereinstieg für Frauen schwieriger,
je länger sie sich nach der Geburt des Kindes dafür Zeit lassen. Das
gilt auch für Österreich, wo die OECD immer wieder rügt, dass starke
finanzielle Anreize des Staates zu viele Frauen dazu bringt, in den
ersten Lebensjahren beim Kind zu Hause zu bleiben.
Dass die CSU ein solches Modell präferiert, ist bedauerlich. "Moderne
Volkspartei" zu sein, rühmt sie sich ständig. Doch beim Frauenbild
hört die Modernität für viele immer noch bei der Einbauküche auf.
Dass Angela Merkel das Ansinnen widerspruchslos zur Kenntnis nimmt,
ist hingegen völlig inakzeptabel. Denn die deutsche Kanzlerin
konterkariert mit dem Betreuungsgeld einige ihrer eigenen Ziele.
Für möglichst viel, möglichst frühe Bildung für Kinder von Migranten
plädiert sie. Für Chancengleichheit von Mann und Frau am
Arbeitsplatz. Deshalb hat sie auch vor einigen Jahren zum Missfallen
vieler Konservativer eine Kehrtwende in der Familienpolitik
eingeleitet und forcierte den Ausbau von Kindergärten. Davon gibt es
in Deutschland heute immer noch nicht genug. Das "Herdgeld" wäre hier
deutlich besser eingesetzt.
Aber offenbar will Merkel nun, da die Bundestagswahl 2013 näherrückt,
auch den Konservativen wieder mehr bieten, fühlen sich doch diese von
ihr ohnehin sträflich vernachlässigt und durch allerlei
"sozialdemokratische" Aktionen (Atomausstieg, Mindestlohn) vor den
Kopf gestoßen. Da sind dann auch die alten Zöpfe plötzlich wieder en
vogue.
Hilfe von Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) ist übrigens nicht
zu erwarten. Sie fällt überhaupt nur durch zweierlei auf: das
Versprechen, das Betreuungsgeld umzusetzen, und die Ablehnung von
Frauenquoten. Und ein Buch hat sie gerade publiziert (Danke,
emanzipiert sind wir selber!). Darin wettert sie seitenlang gegen
Feminismus als "quasireligiöse Weltanschauung". Den Kampf gegen die
"Herdprämie" müssen die Rebellen also weiter von unten führen, Männer
wie Frauen gleichermaßen.
Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70 DW 445
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 17.04.2012 - 18:25 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 618480
Anzahl Zeichen: 3789
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Eine Prämie für Frauen, die ihre Kinder daheim betreuen, ist der falsche Weg - Ausgabe vom 18.4.2012
Kategorie:
Medien und Unterhaltung
Diese Pressemitteilung wurde bisher 333 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"DER STANDARD-KOMMENTAR "Mutti wirdx{2588}s schon richten" von Birgit
Baumann"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Der Standard (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Weitere Mitteilungen von Der Standard
Eutelsat KabelKiosk bringt mit RadyoTürk.de türkischen Fußball und Live-Musik in deutsche Kabel- und IPTV-Netze ...
Köln, 17. April 2012 - Der Eutelsat KabelKiosk erweitert sein fremdsprachiges Programmportfolio. Zum 2. Mai 2012 schaltet die führende Programm- und Diensteplattform für Kabel- und IPTV-Netze den türkischsprachigen privaten Hörfunksender RadyoTürk.de auf. Dieser bietet seinen Zuhörern eine se
Stehaufmännchen auf der Reise zu sich selbst / Wiedersehen mit Andrea Sawatzki in ZDF-Komödie "Bella Australia" ...
Publikum von damals 5,47 Millionen Zuschauern. In "Bella Australia" gibt es nun ein Wiedersehen mit der quirligen Bella, die sich, ihre Familie und ihre Freunde mit ihrer Idee der Selbstverwirklichung vor neue Herausforderungen stellt. Premiere hat "Bella Australia" am Freita
HAUCH DES TEUFELS ...
Ich habe gerade einen interessanten Thriller gelesen. Orchideenstaub. Darin ist unter anderem von einer Droge die Rede, von der ich nicht das erste Mal gehört habe und die als die gefährlichste Droge der Welt gilt. Gerade vor drei Wochen erzählte mir ein amerikanischer Freund, wie er selbst Op
Neue Topthemen in Laetitia Vitae - dem Lifestyle-Magazin für den Rhein-Erft-Kreis ...
Pünktlich zur Monatsmitte wartet das neue Lifestyle-Magazin für den Rhein-Erft-Kreis und die Region, mit einer Reihe neuer Topthemen auf. Lassen Sie sich von den traumhaften schönen Cabrios der Stuttgarter Autobauer verzaubern und lernen Sie SL, SLK und E-Klasse ein weniger besser kennen. A




