Expertenumfrage von EnBauSa: Abwrackprämie für alte Heizkessel wird kontrovers diskutiert
In Deutschland gibt es enormen Modernisierungsbedarf in den Heizungskellern, investiert wird aber zu wenig. Dabei gibt es zahlreiche Förderprogramme. Doch die sind viel zu kompliziert, so Experten bei einer Umfrage des Webportals www.enbausa.de. Eine staatliche Abwrackprämie für alte Heizkessel in Höhe von 1500 Euro („Kesselprämie“) könnte das Verfahren vereinfachen. Sie ist aber unter den befragten Fachleuten umstritten.
Eine solche „Kesselprämie“ von 1500 Euro würde den Modernisierungsstau in deutschen Heizungskellern „schlagartig auflösen", glaubt Michael von Bock und Polach, Hauptgeschäftsführer des ZVSHK. „Wir wissen, dass es bei den Heizungsanlagen, ähnlich wie bei den PKW, eine relativ alte Flotte gibt. Ein nicht unerheblicher Teil müsste dringend erneuert werden, und es ist die Frage, wie ich den Verbraucher dazu bekomme, diese Ersatzinvestition zügig vorzunehmen“, ergänzt Holger Krawinkel, Leiter des Fachbereichs Bauen, Energie, Umwelt beim Bundesverband der Verbraucherzentralen im Interview mit EnBauSa. Das kürzlich gestartete Webportal liefert neutrale Informationen zum Thema energieeffizientes Bauen und Sanieren und hat mehrere Experten zur „Kesselprämie“ befragt. Auch im EnBauSa-Forum (http://forum.enbausa.de/) diskutieren Hausbesitzer, Handwerker und Energieberater kontrovers über das Pro und Contra dieser Initiative.
So sieht der nordhessische Heizungshersteller Viessmann in einer Abwrackprämie nicht die geeignete Maßnahme, um die Heizungsmodernisierung in Deutschland voranzubringen. Es sei wesentlich besser, über die Mehrwertsteuer einen Anreiz zu schaffen, glaubt Martin Viessmann, Vorsitzender des Verwaltungsrats des Unternehmens. Auch aus anderen Gründen sei die pauschale Förderung nicht zwingend sinnvoll, warnt Fred Weigl, Vorsitzender des Energieberaterverbands GIH. Denn seiner Meinung nach ist ein Austausch des Kessels nicht immer zu empfehlen. So sei es manchmal möglich, eine vorhandene Anlage stufenweise zu ergänzen und einen alten Kessel für die Spitzenlast zuzuschalten. Die bisherigen Anreizprogramme hat VdZ-Präsidentin Wiedemann im Visier. Sie verlangt ein Ende des „Förderdschungels". Finanzielle Unterstützung müsse verbraucherfreundlicher werden. Die VdZ fordert daher neben der Abwrackprämie auch komfortablere Abschreibungsmöglichkeiten in der Steuererklärung sowie einfachere Fördermodelle. Für Verbraucherschützer Holger Krawinkel ist zudem ein Umdenken der Politik entscheidend: „Investitionen in die Energieeffizienz sind stärker zukunftsorientiert als Milliardenbeträge zur Rettung der Banken oder von Altindustrien.“
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Datum: 25.03.2009 - 11:54 Uhr
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