RWE-Tochter eprimo: dubiose Vertriebspraktiken an Haustüre und Telefon
16.06.2009 - 09:54 | 95995
eprimo will bis zum Jahr 2011 die Marke von 1 Million Haushaltskunden überschreiten. Um dieses Ziel zu erreichen, schreckt das Unternehmen offenbar nicht vor "rustikal" agierenden Vertriebspartnern zurück.
Bildquelle: eprimo
(firmenpresse) - (Strom-Prinz.de) – Verbraucherzentralen und regionale Stromversorger schlagen immer häufiger Alarm. Mit Haustürgeschäften versuchen Vertriebspartner von eprimo arglose Verbraucher zu einem Anbieterwechsel zu drängen.
Verbraucherschützer warnen Immer wieder wird berichtet, dass sich die im Fachjargon "Doorknocker" genannten Vertriebsmitarbeiter an der Haustüre als Mitarbeiter des regionalen Stromversorgers ausgeben. Die Werber verschleiern bewusst, dass sie eigentlich einen Anbieterwechsel zu eprimo beabsichtigen. Unmittelbar nach dem ungebetenen Besuch erhält der Verbraucher dann die Auftragsbestätigung für einen neuen Stromliefervertrag zugeschickt.
Stadtwerke erbost „Dreiste Lügen und Tricks“ werfen z.B. die Stadtwerke Troisdorf in einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger den "Drückerkolonnen" vor, die im Auftrag von eprimo arbeiten sollen und Bürger zum Abschluss von Stromverträgen überreden. Zahlreiche Kunden seien verunsichert und besorgt, auch weil die Drücker sich Zutritt zu den Zählern verschaffen wollten, nach private Daten fragten und „barsch“ auf einen Vertragsabschluss drängten. In der Mitteldeutsche Zeitung kommt Lothar Wachsmuth, der verärgerte Geschäftsführer der Hettstedter Stadtwerke zu Wort. eprimo-Werber seien mit der Behauptung aufgetreten, dass es die Stadtwerke nicht mehr gebe, diese jetzt eprimo heißen und dass deshalb die Kundendaten aktualisiert werden müssten. Jürgen Rauschkolb, Sprecher des Energie-Discounters versicherte, dass unlautere Werbemethoden für sein Unternehmen, wie sie jetzt aus Hettstedt bekannt geworden sind, nicht geduldet werden. „Wir werden dem nachgehen“, erklärte er.
Eifrige Callcenter Auch im Bereich Telefonmarketing sind die eprimo-Vertriebspartner verstärkt aktiv. Wer "eprimo" und "Callcenter" in die Suchmaschinen eingibt, stößt unvermittelt auf eine Armada von Stellenanzeigen, in denen neue Callcenter bzw. Callcenter-Mitarbeiter für die eprimo-Kampagnen gesucht werden. Schnell wird auch ersichtlich, dass die Vertriebspartner von eprimo mit einer Vielzahl von Untervertriebspartnern zusammenarbeiten. Eine funktionierende Qualitätskontrolle ist so nahezu unmöglich. Im Zweifelsfall kann eprimo allerdings auch immer den bösen Vertriebspartner vorschieben.
110.000 Kunden für eprimo Einen großen Anteil am eprimo Neukundengeschäft hat der Partner ESD (Energie Service Deutschland AG). Im Mai verkündete das Frankfurter Unternehmen per Pressemitteilung stolz, bereits über 110.000 Kunden für eprimo gewonnen zu haben. Auf welche Art und Weise diese Kunden für die eprimo-Stromtarif begeistert werden, spiegeln die aktuellen Stellenangebote von ESD wider: gesucht werden Vertriebsassistenten zur Steuerung von Telefonmarketing-Agenturen für In- und Outbound. Mit anderen Worten: ESD heuert im Auftrag von eprimo Callcenter an, die dann potenzielle Kunden anrufen. In der Formulierung der ESD-Stellenangebote heißt das dann: „Sie führen am Telefon eine persönliche Tarif-Beratung durch und verkaufen aktiv unseren günstigen Strom“.
Rosarote Postkarten Bereits im Mitte 2008 warnten u.a. die Verbraucherzentrale Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein die Verbraucher vor rosa Postkarten, die angeblich eine „wichtige Tarif-Information zu Ihrem Strom-Anschluss!“ enthielten. Durch die namentliche Adressierung und die Aufmachung im Stile von Stromablesekarten erweckten die rosaroten Karten den Anschein, als ob sie vom jeweiligen Grundversorger stammen würden. Wer jedoch unter der angegebenen Nummer den "Kundenservice" anrief, wurde meist aufgefordert, Name, Zählernummer und Kontoverbindung herauszugeben. Die eprimo-Auftragsbestätigung lag dann wenige Tage später im Briefkasten. Absender der Postkarte: die Energie Service Deutschland AG eprimo selbst räumt „grenzwertige Vertriebspraktiken“ bei ihrem Partner ESD ein, arbeitet allerdings offenbar weiter mit den Frankfurtern.
Zweiwöchige Widerrufsfrist Wurde ein Vertrag an der Haustür oder im Fernabsatz abgeschlossen (beispielsweise am Telefon oder im Internet), kann er innerhalb von zwei Wochen widerrufen werden. Der Widerruf muss nicht begründet werden. Er sollte aus Nachweisgründen per Einschreiben und Rückschein erfolgen.
Anbieterwechsel besser online Bleibt zu hoffen, dass eprimo zukünftig mehr auf die die Überzeugungskraft der eigenen Strom- und Gastarife vertraut, als auf die seiner zweifelhaft agierenden Vertriebspartner. Denn die Tarife von eprimo sind im Preisvergleich meist auf den vorderen Plätzen. Der Stromanbieterwechsel ist in den meisten Fällen absolut sinnvoll, aber die freie und richtige Wahl ist entscheidend. Ein Stromrechner listet alle Stromangebote für einen bestimmten Wohnort und den jeweiligen Stromverbrauch auf. Zusätzlich erhält der Kunde Hintergrundinformationen zu dem jeweiligen Stromanbieter und Stromtarif. Im Gasbereich verhält es sich ähnlich. Einfach Gasverbrauch und Postleitzahl in den Gaspreisvergleich eingeben und schon werden alle Alternativen lückenlos aufgelistet.
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