Steuergelder für „Jagdbordell“

Steuergelder für „Jagdbordell“

ID: 33228

Der Ökologische Jagdverein Hessen kritisiert die Absicht der Landesregierung, den verrotteten Zaun um das „Wildschutzgebiet Reinhardswald“ bei Kassel zu erneuern. Die 65 Kilometer lange Zaunlinie weist mittlerweile Lücken auf. Die Instandsetzung soll über eine Million Euro kosten. Die Folgekosten für die laufende Unterhaltung sind noch nicht einkalkuliert. Nach offizieller Lesart dient das 10.000 Hektar große Wildgatter der Forschung. Doch jeder Forstmann in Nordhessen weiß, dass dort nicht geforscht, sondern gejagt wird.




(firmenpresse) - Ministerpräsident Koch und Landwirtschaftsminister Dietzel laden alljährlich zu repräsentativen Staatsjagden ein, deren Gäste möglichst starke Hirsche vor die Büchse bekommen sollen. Für den Jagderfolg sorgt eine künstlich überhöhte Rotwilddichte von etwa 12 Tieren pro 100 Hektar.
Lokale Kritiker sprechen von einem„Jagdbordell“.
Zwei Tiere pro 100 Hektar halten Fachleute für eine Populationsdichte, die mit dem Ökosystem des Reinhardswalds im Einklang wäre. Das Sechsfache ist Realität. Entsprechend hoch sind die Wildschäden im „Schutzgebiet“. Die einseitige Belastung des Ökosystems hat zu einer Artenarmut bei Flora und Fauna geführt.
Junge Bäume müssen vor dem hungrigen Rotwild geschützt werden. Bei alten, erntereifen Bäumen sorgt das rotwildtypische Schälen der Rinde für hohe Wertverluste. Durch den eingeengten Lebensraum muss das Wild zusätzlich gefüttert werden.

Im zuständigen Landwirtschaftsministerium wird eingeräumt, dass die Forschungsmöglichkeiten „derzeit nicht nachgefragt werden“ (hr-Fernsehen , 15.07.07), man wolle aber das Gatter für einen künftigen Bedarf erhalten.
Das Ministerium muss sich fragen lassen, was denn in einer wirklichkeitsfremden „Laborsituation“ mit 1200 Stück Rotwild auf engstem Raum erforscht werden könnte.
Der ÖJV hält die angebliche Forschung für durchsichtigen „Etikettenschwindel“, der bemänteln soll, dass man ein landeseigenes Jagdgatter kostenträchtig
renovieren will.
Der ÖJV Hessen betrachtet die Jagdeinladungen der Landesregierung als legitimes

Mittel offizieller „Kontaktpflege“. Dies rechtfertigt aber keineswegs, überhöhte Rotwildbestände in Gattern vorzuhalten und die Kosten dem Steuerzahler aufzubürden.
Aus Sicht des ÖJV ist die „Gatterjagd“ ein Relikt aus Zeiten feudaler Jagdprivilegien. Sie steht im Widerspruch zu einem zeitgemäßen, ökologisch ausgerichteten Wildmanagement. Deshalb sollte das Rotwild im „Schutzgebiet“ auf ein verträgliches Maß reduziert und der marode Zaun vollständig abgeräumt werden.



29.07.07 / gb


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Datum: 28.07.2007 - 13:55 Uhr
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