Kommentar: Hat Kommissar Columbos Klapperkiste Subventionen verdient?
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Von Ansgar Lange
Bonn/Paris – Der legendäre TV-Kommissar Columbo fährt einen alten zerbeulten Peugeot 403. Es wäre sicher polemisch zu behaupten, die französische Automobilindustrie habe sich seit 1955, als dieses Fahrzeug erstmals in Paris präsentiert wurde, nicht weiter entwickelt. Allerdings wird kaum jemand bestreiten, dass französische Autos nicht das gleiche internationale Renommee haben wie die Produkte deutscher Premiumhersteller wie Mercedes oder BMW. Doch in der Wirtschaft beziehungsweise in der Wirtschaftspolitik ist es wie im realen Leben: Meinem Nachbarn soll es auch nicht besser gehen als mir. Um die deutsche Automobilindustrie zu schwächen, ist Paris nun auf eine famose Idee verfallen. Und andere Kleinwagenländer wie Italien oder Spanien klatschen begeistert Beifall.
„Frankreich zettelt Klimastreit an“ titelte zutreffend die Financial Times Deutschland (FTD) http://www.ftd.de. Im Ringen um die geplante Senkung des Kohlendioxidausstoßes von Neuwagen gehe Frankreich auf Kollisionskurs zu Deutschland, berichtet die Wirtschaftszeitung. Die französische Regierung dringt nämlich darauf, der Autobranche ein einheitliches Reduktionsziel vorzuschreiben und Käufer größerer und umweltschädlicherer Autos zu belangen. Peugeot Citroen, Renault oder auch Fiat in Italien bauen eben vor allem kleine Kisten, so dass der Gedanke nicht ganz abwegig ist, dass es Paris und Co. weniger um eine saubere Umwelt, sondern eher um einen staatlich herbeigeführten Wettbewerbsvorteil geht.
Nicht nur deutsche Autofreunde werden die jüngsten Vorschläge als sittenwidrig betrachten. Hier zu Lande hat man zwar auch gern mehr staatlichen Einfluss auf das Wirtschaftsleben, aber doch nicht so extrem wie bei unseren Nachbarn im Westen. „Im Westen nichts Neues“ – ließe sich mit Bezug auf einen Romantitel kalauern, denn die Franzosen wollen in diesem konkreten Fall Brüssel für die Verwirklichung ihrer Ziele instrumentalisieren, da der Arm der französischen Regierung leider nicht in die Firmenzentralen in Stuttgart oder München reicht. Zurzeit kann man ja wieder trefflich bewundern, wohin es führt, wenn die Privilegien französischer Staatsangestellter beschnitten werden sollen. Die angekündigte Rentenreform von Regierungschef Sarkozy führte dazu, dass Eisenbahner TGV und Pariser Metro lahm legten. Es ist eben auch so schön, wenn – wie die Welt http://www.welt.de schrieb – 128 Berufsgruppen historische Sonderrechte bei der Rente haben. So können Lokführer bereits mit 50, Operntänzerinnen mit 40 und Senatoren mit 53 Jahren volle Rentenbezüge einstreichen.
Beim Streit ums liebe Auto hat man es mit einem Muster zu tun. „Es ist wie so oft: Die Franzosen nehmen immer gern eine Sonderstellung für sich in Anspruch, selbst bei der Subvention der Stahlproduktion im eigenen Land, bei der Subventionierung von Dieselkraftstoffen für LKW oder einer weiteren Subvention bei der Besteuerung der LKW. Damit wird schon seit langem eine Wettbewerbsverzerrung im Güterfernverkehr zu Gunsten der Franzosen aufrecht erhalten. Das alles nehmen die Anrainerstaaten hin, zwar zähneknirschend und mit der geballten Faust in der Tasche, doch ein adäquater Gegenmittel finden sie nicht“, sagt der Automobilexperte Uwe Röhrig vom Hannoveraner Beratungsunternehmen International Car Concept (ICC) http://www.icconcept.de.
Bei den Absatzeinbrüchen französischer Hersteller sei dringend staatliche Hilfe gefragt. So sehe man dies zumindest in Paris. „Premium-Fahrzeuge kann man nicht in einer Prämiumqualität dem Weltmarkt zur Verfügung stellen“, so Röhrig in Anspielung auf manch fragwürdige Rabattaktionen. Medienberichten zufolge erzielte der Citroen Berlingo jüngst den höchsten Rabatt mit 36,5 Prozent oder 5.500 Euro. Der Hochdachkombi mit 55 kW/75 PS koste laut Liste 15.050 Euro, im Rahmen einer Verkaufsaktion der Händler sei er jedoch schon für 9.550 Euro zu haben. 2.500 Euro „Umweltprämie" bei Inzahlungnahme eines Altfahrzeugs bieten die Fiat-Händler an, beim Kauf der Kleinwagens Panda zum Listenpreis von 9.250 Euro sind so umgerechnet bis zu 27 Prozent Nachlass drin, so die Transporter-News http://www.transporter-news.de über die ähnlich gepolten Italiener.
Der französische Umweltminister Jean-Louis Borloo forderte schlicht Dinge, von denen er nichts verstehe, meint Röhrig. Die deutsche Autoindustrie habe längst vernünftige Vorschläge auf den Tisch gelegt, betont der ICC-Chef. So setzt sich BMW http://www.bmw.de für den so genannten „integrierten“ Ansatz ein. „Dieser bezieht neben der Motorenoptimierung Maßnahmen wie das Angebot von Biokraftstoffen, Verkehrsmanagement und Eco-Driving Aktivitäten mit ein, die in Summe einen geringeren Schadstoffausstoß ergeben sollen“, so die Süddeutsche-Online http://www.sueddeutsche.de.
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Datum: 16.11.2007 - 11:56 Uhr
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