Die neue Welt der Free-Economy:

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ID: 100851

Anwendungen wichtiger als Produkte



(firmenpresse) - Hamburg/Bonn, 6. Juli 2009, www.ne-na.de - Das neue Buch „Free“ des Wired-Chefredakteus Chris Anderson handelt vom Preisverfall in vielen Märkten - von den rasant fallenden Kosten für Telefonminuten bis hin zu den Preisen für Mikrochips: „Und von der Frage, wie künftig mit Produkten dennoch Geld verdient werden kann. Dinge zu verschenken, glaubt Anderson, kann unerwartete, für den Hersteller durchaus erwünschte Folgen haben“, so Spiegel Online
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,634494,00.html. Verdienen könnten Unternehmen künftig „um Produkte herum", so wie Google das mache: Für die Nutzung der Suchmaschine zahle niemand, doch mit der Werbung, die der Konzern einblendet, werden Milliarden umgesetzt. „Schon sein Opus ‚The Long Tail’ hat die Veränderungen unserer Wirtschaft zu kleineren Einheiten treffend skizziert. Anderson belegt eindrucksvoll, warum wir in der westlichen Welt keine Phase der Reindustrialisierung erleben werden. Da können Spitzenpolitiker wie Müntefering predigen was sie wollen. Die kontrollierte Welt des Industriekapitalismus ist vorbei“, sagt Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer IT-Beratungshauses Harvey Nash.

Die iPhone-Herstellung würde für Apple nicht die Wertschöpfung bringen: „Design, nutzerfreundliches Interface, Vertrieb, Marketing, Software-Applikationen und die höchst erfolgreiche Internetplattform iTunes sind entscheidend für den Erfolg von Steve Jobs. Beim Landmaschinenhersteller John Deere war man bis in die 1990er Jahre auf den Maschinenverkauf fokussiert. Der Landmaschinenhersteller erkannte frühzeitig die Wachstumspotenziale auf dem gesamten Green Market und kaufte mehrere Unternehmen aus dem Garten- und Landschaftssegment. Aus John Deere wurde JDL. Die frühere Mähdrescherfirma verkauft jetzt Rollrasen, Landschaftskonzepte, Beratung, vergibt Kredite für Gartenbauunternehmen und baute eine Fortbildungsakademie auf. Mit der reinen Produktzentrierung können Unternehmen keine ausreichenden Gewinnmargen mehr erwirtschaften“, weiß IT-Fachmann Nadolski.



„Ingenieure werden zunehmend zu Logistikern, die sich mehr mit der sinnvollen Abfolge der halbautomatischen Fertigung beschäftigen müssen als mit Konstruktion, Lieferung und dem Zusammenbau“, schreibt der Computerexperte David Pfeiffer in seinem Opus „Klick – Wie moderne Medien uns klüger machen“. Im topmodernen BMW-Werk in Leipzig arbeiten keine Mechaniker mehr an den Fließbändern, sondern „Mechatroniker“. „So nennt sich der Ausbildungsberuf, den es erst seit 1998 in Deutschland gibt und der sich aus den Fachbereichen Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik zusammensetzt“, erläutert Pfeiffer.

Der Systemarchitekt Bruno Weisshaupt, Autor des Buches „SystemInnovation – Die Welt neu entwerfen“, geht noch einen Schritt weiter: „Die Welt wird in Zukunft nicht aus Produkten bestehen, sondern aus Anwendungen, die sich direkt an den spezifischen Anforderungen des Prozesses, des Marktes, des Menschen ausrichten. Dieser Ansatz führt vom Produkt weg zur Applikation als Angelpunkt zukünftigen Erfolgs, oder anders formuliert: Es wird immer weniger darum gehen, technisches Gerät zu besitzen, und immer mehr darum, Dienste zu nutzen, on Demand, individuell zugeschnitten, komfortabel und einfach im Handling.“ Handys etwa seien im Grunde wertlos, weil sie flächendeckend verschenkt werden. Wofür man bezahlt, sei alleine die Anwendung. „Warum sollte man sich ähnliche beziehungsweise noch konsequenter ausgebaute Konzepte nicht für Waschmaschinen, DVD-Rekorder oder Nespresso-Maschinen vorstellen können. Mehr noch: Auch eine LP- oder CD-Sammlung zu besitzen, noch vor kurzem der sorgsam geordnete und gepflegte Stolz jedes Musikliebhabers, verliert im Zeitalter der MP3-Player und Musikdownloads offensichtlich an Bedeutung“, betont Weisshaupt. Das Produkt werde an Bedeutung verlieren, ob Automobil, Rechner oder Bohrmaschine. Vernetzte Infrastrukturen, in die wir uns einloggen und die wir nutzen wie heute das Internet, werden in Zukunft das Rückgrad unserer Wirtschaft und Gesellschaft sein.

Die Fixierung wirtschaftlicher Wertvorstellungen auf physisch greifbare Dinge hat vor allen Dingen in Deutschland möglicherweise archaische Wurzeln, denen mit nüchterner Ökonomie kaum beizukommen sei:. „Die deutsche Gesellschaft verschließt sich mit an Starrsinn grenzender Konsequenz jeglicher Veränderungsbereitschaft. Aber das muss nur den behindern, der bei seinem Aufbruch in die neue Welt unbedingt von den alten Strukturen ausgehen will“, bemerkt Wolf Lotter von der Zeitschrift brandeins. Das neue Opus von Anderson kann man konsequenterweise kostenlos als Hörbuch herunterladen.: http://www.wired.com/techbiz/it/magazine/17-07/mf_freer. Diskussion unter: http://www.ne-na.de/die-neue-welt-der-free-economy-anwendungen-wichtiger-als-produkte/
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Datum: 07.07.2009 - 11:28 Uhr
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