„Der richtige Ton ist entscheidend“: Fortbildung zu Liebe und Sexualität
Pressemitteilung, 17.01.2014
Stuttgart/Hamburg, 17. Januar 2014/CU. „Liebe und Sexualität – Ihre Entwicklung und Gefährdung von der frühen Kindheit bis zum Jugendalter“ war das Thema einer Fortbildung, zu der sich rund 300 WaldorflehrerInnen und -erzieherInnen am Januarwochenende nach den Weihnachtsferien in Stuttgart trafen. Dabei ging es um die Frage, wie die Pädagogik auf die gesellschaftliche Entwicklung vor allem auch im Internet reagieren kann im Hinblick auf eine altersgemäße Erziehung.
Der Buchautor und Gynäkologe Dr. Bart Maris, der zusammen mit seiner Ehefrau, der Schulärztin Dr. Nicola Fels, das Einführungsreferat hielt, nahm den aktuellen Fall des Profifußballers Thomas Hitzlsperger zum Ausgangspunkt: Sein Outing als Homosexueller habe gezeigt, wie schwierig es sei, beim Thema Sexualität die richtigen Worte und den richtigen Ton zu finden.
Im Zusammenwirken mit zwei Jugendlichen entwickelten die beiden Ärzte vor den versammelten WaldorflehrerInnen und -erzieherInnen ein Szenario, das von einer Gedichtrezitation von Novalis bis hin zu Filmeinspielungen aus Blockbustern der jüngeren Zeit wie Matrix oder Titanic reichten. Mit dieser Darstellung machten sie die Bandbreite des Themas Sexualität deutlich. Noch nie sei eine Generation von Jugendlichen so aufgeklärt gewesen wie heute, trotzdem fehle es an grundlegenden Informationen und vor allem an Orientierung. Hier sahen die beiden Ärzte die Eltern in der Verantwortung, die durch „Ich-Präsenz“ und Begegnung den Jugendlichen Hilfestellung geben könnten.
Auch von den beiden jugendlichen Referenten kam der Hinweis, sowohl in der Schule als auch im Elternhaus werde zu wenig über das Thema Sexualität gesprochen. Diese mangelnde Kommunikation verstärke den Einfluss der Medien, die den Jugendlichen Mythen vermitteln wie etwa den von der „perfekten Beziehung“. Von den Jugendlichen wurde auch auf den Einfluss von Computerspielen hingewiesen, die das Ausleben von Gewaltphantasien im Bereich des Sexuellen ermöglichten. Im Virtuellen habe dies keine Konsequenzen, betonte Dr. Bart Maris, man dürfe sich jedoch nicht der Illusion hingeben, dass dies auch für das Innenleben der Beteiligten gelte.
Die Waldorfpädagogik sieht auch bei der Herausbildung von Liebes- und Beziehungsfähigkeit verschiedene Entwicklungsstufen. Erst die vollständige Herausbildung der Persönlichkeit ermöglicht die Übernahme der Verantwortung für die eigene Sexualität und legt so die Grundlage für die Begegnung mit dem anderen Menschen.
In den Referaten der Tagung ging es daher zum einen um die Grundlagen für die Entstehung von Liebes- und Beziehungsfähigkeit, die die Waldorfpädagogik in der frühen Kindheit verortet. Außerdem befassten sich die Referenten mit den Gefahren, die den Kindern und Jugendlichen durch die „fast schrankenlose Verbreitung sexueller Inhalte“ über Handy- und PC-Nutzung drohen, wie es in der Tagungsankündigung heißt.
Im Grunde sei dies „unfair“, betonte Referent Johannes Greiner, der sich vor allem mit den Gefährdungen durch das Internet befasste, dass Jugendliche heute Darstellungen und Situationen ausgesetzt würden, bei denen auch der erwachsene und entwickelte Mensch „alle Mühe hat, sich zurechtzufinden.“ Auch er verwies als Gegengewicht am Ende auf das Vorbild der Erwachsenen. Der Jugendliche habe das Bedürfnis, erkannt und gesehen zu werden, er brauche Schutz und Wärme. Auch durch Weltinteresse, das im Jugendlichen geweckt werde, könnten die Erwachsenen dazu beitragen, seine Entwicklung in einem günstigen Sinn zu beeinflussen.
Die Referate des Bildungskongresses (www.bildungskongress2014.de) können in einem Tagungsband nachgelesen werden, den die Agentur „Von Mensch zu Mensch“ zusammen mit der Pädagogischen Forschungsstelle im BdFWS herausgibt. Er soll bis zum Ende des Jahres 2014 erscheinen.Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
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Datum: 23.01.2014 - 14:41 Uhr
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