Lausitzer Rundschau: Unseriöse Schlüsse
Untersuchung sieht Schwarzarbeit auf dem Vormarsch
ID: 1014854
Verborgenen statt. Alle Zahlen dazu können also nur grobe Schätzungen
sein. Annahmen, die auf noch größeren Unsicherheitsfaktoren basieren
als zum Beispiel die ebenso zahlreichen wie selten treffsicheren
Expertisen zur Konjunkturentwicklung. Da erstaunt es dann schon, wenn
eine jetzt veröffentlichte Studie über die Schattenwirtschaft aus
derlei Unsicherheiten auch noch folgenschwere Schlüsse zieht. Demnach
wird die Schwarzarbeit voraussichtlich wieder so richtig Fahrt
aufnehmen, wenn der Mindestlohn und die angepeilten
Rentenverbesserungen im Gesetzblatt stehen. Man kann das so sehen.
Aber seriös ist das kaum. Die Behauptung setzt nämlich voraus, dass
der Mindestlohn massenhaft reguläre Arbeitsplätze vernichtet. Doch
dagegen sprechen zumindest die Erfahrungen mit den in den letzten
Jahren eingeführten Branchenmindestlöhnen. Erkenntnisse über einen
Beschäftigungseinbruch, egal ob im Malerhandwerk, bei den
Gebäudereinigern oder in der Abfallwirtschaft sucht man schlicht
vergebens. Auch fällt es schwer zu glauben, dass mehr Menschen ihr
Heil in der Schwarzarbeit suchen, nur weil der Beitrag für die
Rentenversicherung unverändert bleibt und bei der Pflegeversicherung
im Promillebereich steigt. In einem Punkt liegt die Untersuchung
allerdings vorbehaltlos richtig: Die beste Versicherung gegen
Schwarzarbeit ist eine gute Konjunktur. Denn dadurch finden die
allermeisten eine reguläre Beschäftigung, die, nebenbei bemerkt, auch
eine Versicherung fürs Alter und gegen Krankheit ist. Im
internationalen Vergleich steht Deutschland hier durchaus auf der
Sonnenseite. Die Schattenwirtschaft wird deshalb trotzdem nicht
gänzlich auszumerzen sein. Sie sollte aber auch nicht
"wissenschaftlich" überhöht werden.
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Datum: 04.02.2014 - 20:28 Uhr
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