Neue OZ: Kommentar zu Erdogan in Berlin
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Wie ein Popstar ließ sich der türkische Ministerpräsident Erdogan
im Berliner Tempodrom von seinen Landsleuten feiern.
Überschwängliches Lob für die Wirtschaftskraft der Türkei und
Komplimente für die Stärke Deutschlands dominierten Erdogans
Charmeoffensive, ganz anders als 2008 in der Köln-Arena. Damals
zerstörte er mit gezielten Provokationen und der Warnung an die
Türken in Deutschland vor "Assimilierung" viel Vertrauen.
Gestern nun untermauerte er mit einer an Größenwahn grenzenden
Darstellung seiner Arbeit, dass allein er Sicherheit und Wachstum
biete. Vorwärts gehe es nur mit ihm, das war seine Botschaft. Welch
eine Hybris: Politisch bewegt sich das Land rückwärts, der Umgang mit
Minderheiten spricht Bände. Der selbst ernannte "Meister" badete im
Tempodrom in sorgfältig inszeniertem Jubel. Draußen auf den Straßen
Berlins belegen die Gegendemonstrationen türkischer Verbände: Erdogan
ist längst nicht mehr der Held, für den ihn manche lange hielten.
Mal die Art eines Diktators, mal Fundamentalpolitiker: So ist er
dabei, sich selbst zu demontieren. Er hat ein gestörtes
Rechtsstaatsverständnis, lässt Demonstranten verfolgen und unliebsame
Ermittler zwangsversetzen. Nachvollziehbar und richtig, dass
Bundeskanzlerin Merkel ihn mit gebremster Freundlichkeit empfing und
seine Forderungen nach einer EU-Vollmitgliedschaft herunterdimmte.
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Datum: 04.02.2014 - 22:00 Uhr
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