Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Italien hat eine neue Regierung
Latte hoch gelegt
Julius Müller-Meiningen, Rom
ID: 1023265
genießt parteiübergreifend Sympathien. Er ist erst 39 Jahre alt und
steht schon an der Spitze der Regierung. Und das in einem Land, in
dem bis vor kurzem vor allem Senioren politische Verantwortung
getragen haben. Innerhalb von drei Monaten hat er sich vom
Bürgermeister in Florenz über den Vorsitz der Demokratischen Partei
zum Premier aufgeschwungen. Wer so viel Energie und Ehrgeiz hat, der
muss auch ein in schwerer Krise befindliches Land beflügeln können -
so lautet die Hoffnung vieler, denen im Blick auf das
reformresistente Italien zuletzt jeder Optimismus abhandengekommen
ist. Kann Renzi den Umschwung schaffen? Zweifel sind angebracht,
gerade im Hinblick auf Italiens jüngere Vergangenheit. So wurden auch
Renzis Vorgänger Enrico Letta und Mario Monti als vernünftige und
tatkräftige Politiker bei Amtsantritt begrüßt. Nachhaltige Ergebnisse
konnte keiner von beiden liefern. Die Parlamentsmehrheit, auf die
sich Renzi stützt, ist mit derjenigen der Regierung Letta identisch.
Reformen und vor allem Ergebnisse sind nicht auf die Schnelle zu
haben. Der rastlose Renzi hat nun die Latte für seinen Erfolg noch
einmal höher gelegt. Seine täglichen Versprechen von Reformen sowie
die Ankündigung, Italien im Monatsrhythmus mit grundlegenden
Änderungen auf Vordermann zu bringen, sind gefährlich. Je mehr Renzi
verspricht, desto größer könnten am Ende die Enttäuschungen sein.
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Datum: 23.02.2014 - 20:15 Uhr
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