Über die Informatikforschung in Deutschland

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ID: 102862

Künstliche Intelligenz begegnet uns fast überall



(firmenpresse) - Heidelberg - Das Forschungsfeld der Künstlichen Intelligenz (KI) hat gute fünf Jahrzehnte auf dem Buckel. Die Informatikforschung in Deutschland ist eigentlich noch ein wenig jünger. "KI-Anwendungen sind in der Regel nicht immer leicht als solche zu erkennen. Wenn Künstliche Intelligenz schließlich funktioniert, dann wird es nicht mehr KI genannt, sondern Informatik, weil wir es dann verstehen", sagt Wilfried Brauer, Professor an der Technischen Universität München.

KI-Systeme gehören schon zum Alltag

Heute begegnen uns schließlich überall Systeme, in denen KI steckt: Schrifterkennung im Taschencomputer, telefonische Reservierungssysteme für Kino- und Bahntickets, virtuelle Gegner bei PC-Spielen, sprachgesteuerte Roboter, die Fassaden putzen, Kaffee kochen oder Rasen mähen. Und bald wird es auch solche geben, die über die Kraft der Gedanken gesteuert werden können. Das meint zumindest der 2008 verstorbene Informatikprofessor Bernd Reuse, der als Referatsleiter im Bundesforschungsministerium http://www.bmbf.de über zwei Jahrzehnte hinweg die deutsche Informatikforschung mitgeprägt hat. In dem gemeinsam mit Roland Vollmar, Dekan der Fakultät für Informatik an der Universität Karlsruhe, herausgegeben Sammelband "Informatikforschung in Deutschland" widmet er sich unter anderem dem so genannten Brain-Computer Interface, von dessen Einsatz er sich viel versprach, als es im Jahr 2001 vom Fraunhofer Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST vorgestellt wurde. Es handele sich "um ein Projekt, mit dem Schwerstbehinderten, die ohne jede Möglichkeit der Kommunikation mit der Umwelt leben mussten, eine neue Kontaktmöglichkeit gegeben werden sollte".

Brain-Computer Interface könnte Sicherheit im Auto erhöhen

Gemeinsam mit Neurologen des Campus Benjamin Franklin der Charité Berlin erarbeiteten die Fraunhofer-Wissenschaftler demnach eine Möglichkeit, anhand von Gehirnströme zu erkennen, ob ein Mensch beispielsweise seine linke oder rechte Hand bewegen wolle. "Die Schnittstelle zwischen Mensch und Computer bildet dabei ein herkömmliches Elektroenzephalogramm (EEG), wie es im klinischen Alltag eingesetzt wird. Sie werden verstärkt und an einen Computer übermittelt, der sie in technische Steuersignale umwandelt. Durch Methoden der intelligenten Datenanalyse kann der Computer Gehirnsignale mit einer hohen Genauigkeit klassifizieren", so Reuse. Auf diese Weise könnten Menschen und Maschinen kommunizieren, per Computer schreiben, sich unterhalten, Rollstühle kraft ihrer Gedanken steuern, ohne auf ihre normalen motorischen Kräfte angewiesen zu sein. Auch Sicherheitstechnologien im Automobilsektor können nach Ansicht von Reuse profitieren: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Zeitverlust von etwa einer drittel Sekunde, der zwischen einem Steuersignal des Gehirns und der manuellen Reaktion vergeht, etwa bei Erkennung von Unfallsituationen im Auto der Zukunft, durch automatische Bremssysteme überbrückt werden kann."



Bernd Reuse prägte die deutsche Informatiklandschaft

Reuse, der sich selbst nicht als Informatikwissenschaftler sehen wollte, sondern als "Generalist und Forschungsmanager", hat ab 1973 an der Einrichtung der 110 Informatiklehrstühle an 15 deutschen Hochschulen mitgearbeitet. Von 1991 bis 2006 hat er nach Ansicht von Experten wie dem Vorsitzenden der Geschäftsführung des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) http://www.dfki.de, Professor Wolfgang Wahlster, im Bereich Softwaresysteme durch diverse Fördermaßnahmen seines Referats rund 10.000 neue Hightech-Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen.

Bernd Reuse und Roland Vollmar (Hrsg.): Informatikforschung in Deutschland, Springer-Verlag 2008, Gebundene Ausgabe, 332 Seiten, 84 Abbildungen, ISBN: 978-3-540-76549-3, 79,95 Euro
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