Tödliche Gefahr für Europas Geier

Tödliche Gefahr für Europas Geier

ID: 1028709
(ots) - Der NABU und sein internationaler Partner BirdLife
International sowie die European Vulture Conservation Foundation
fordern ein sofortiges Einsatzverbot des Wirkstoffes Diclofenac bei
Tieren in Europa. Diclofenac ist ein starkes schmerz- und
entzündungshemmendes Mittel, das für das beinahe komplette Aussterben
aller Geierarten Indiens, Pakistans und Nepals verantwortlich ist.
Die Tiere sterben qualvoll an Nierenversagen, sobald sie von Tieren
fressen, die vor ihrem Tod mit diesem Mittel behandelt wurden. Nun
droht eine Wiederholung dieser ökologischen Katastrophe in Europa.
Obwohl für Geier unschädliche alternative Wirkstoffe existieren,
wurde Diclofenac vor Kurzem für die Behandlung von Rindern, Schweinen
und Pferden in Italien und Spanien, wo 80 Prozent aller europäischen
Geier leben, zugelassen. In Deutschland ist der Wirkstoff verboten.

Nach Ansicht von Experten des NABU und von BirdLife International
besteht damit die große Gefahr eines Geier-Massensterbens, das die
Erfolge jahrzehntelanger Schutzmaßnahmen innerhalb weniger Jahre
zerstören kann. Alle Geierarten leben ausschließlich von Aas und
erfüllen damit als Gesundheitspolizei eine wichtige Rolle im
Naturhaushalt. In Europa leben vier, durchweg seltene, Geierarten:
Der kleinste von ihnen, der Schmutzgeier, gilt weltweit als
gefährdet, der riesige Mönchsgeier - einer der größten Greifvögel der
Welt - steht auf der Vorwarnstufe der Roten Liste. Die anderen beiden
Arten, Gänsegeier und Bartgeier, können nach extremen Bestandstiefs
inzwischen aufgrund jahrzehntelanger gezielter Artenschutzmaßnahmen
gute Bestandserholungen vorweisen. Dafür haben die Europäische Union
und mehrerer ihrer Mitgliedsstaaten viele Millionen Euro ausgegeben.
"Seit einigen Jahren tauchen spanische Gänsegeier auf der Suche nach
neuem Lebensraum auch regelmäßig wieder in Deutschland auf, so dass


bereits Hoffnungen auf eine baldige Wiederansiedlung aufkommen",
erläuterte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. "Die Einführung von
Diclofenac in der Tiermedizin auf dem europäischen Markt gefährdet
die Früchte der aufwändigen Schutzbemühungen."

Auf dem indischen Subkontinent wurde Diclofenac in den 90er Jahren
zur Behandlung von Rindern angewandt. Nach dem Tod der Tiere verblieb
das Mittel im Körper der Kadaver, die von den damals Millionen
zählenden Geiern gefressen wurden. Diese starben danach sehr schnell
einen qualvollen Tod. In nur einem Jahrzehnt starben so etwa 99
Prozent aller Geier Indiens und damit standen einige der häufigsten
und wichtigsten Vogelarten des Subkontinents unmittelbar vor dem
Aussterben. Hinzu kam die Ausbreitung von Tollwut: Die Kadaver
wurden nicht mehr entsorgt und die Zahl verwilderter Hunde
explodierte. Das vollständige Aussterben der Geierarten konnte nur
gestoppt werden, weil die Anwendung von Diclofenac bei Tieren auf
Betreiben von Naturschützern aus dem von BirdLife International
initiierten Netzwerk SAVE-Vultures verboten wurde. Heute können
Vogelschützer erste Anzeichen einer Erholung der indischen
Geierbestände erkennen.

Die EU und ihre Mitgliedsstaaten haben sich durch die
EU-Vogelschutzrichtlinie und die Gesetzgebung zu Tierarzneimitteln
verpflichtet, Geier zu schützen und Mittel zu verbieten, die
ökologischen Schaden anrichten können. "Ein sofortiges Verbot von
Diclofenac für Tiere in der gesamten EU ist daher die einzig mögliche
Lösung, um den europäischen Geiern das Schicksal ihrer Vettern in
Indien zu ersparen", so Lachmann. "Dies gäbe auch den Ländern in
Afrika, wo noch mehr Geier leben, das richtige Signal, die
Verbreitung des Mittels zu stoppen." Der NABU hat daher die
Bundesregierung gebeten, bei der EU-Kommission eine europaweite
Neubewertung und ein Verbot des Mittels zu verlangen.

Pressefotos zum kostenlosen Download unter
www.nabu.de/presse/fotos/#voegel Weitere Informationen unter
www.NABU.de Ausführliche Informationen zur Rettung der indischen
Geierarten: www.save-vultures.org

Für Rückfragen:

Lars Lachmann, NABU-Vogelschutzexperte, Tel. 030-284984-1620 oder
NABU-Pressestelle, Tel. 030-284984-1510, -1722, -1958



Pressekontakt:
NABU-Pressestelle, Telefon: 0 30.28 49 84-1510, -1722, -1952
Telefax: 0 30.28 49 84-2500, E-Mail: Presse@NABU.de
Redaktion: Kathrin Klinkusch, Annika Natus, Iris Barthel, Nicole
Flöper

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Datum: 06.03.2014 - 11:51 Uhr
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