Neue OZ: Kommentar zu Sibylle Lewitscharoff
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Ja, Schriftsteller sollen aussprechen, was dem Konsens
zuwiderläuft. Ja, sie sollen aufrütteln, indem sie Widersprüche
benennen, die sich hinter bequemen Sprachregelungen verbergen. Ja,
sie sollen mahnen und warnen, erst recht dann, wenn sie wie Sibylle
Lewitscharoff als Träger des Büchnerpreises besondere Autorität
besitzen. Aber sie sollen nicht hetzen und verletzen, sie sollen
nicht gegen die Menschenwürde sprechen, sie sollen vor allem aus der
Sprache keinen Ausdruck des Ungeistes machen. Aber all das hat
Sibylle Lewitscharoff getan. Ausgerechnet jene Schriftstellerin, die
in ihrem letzten Roman "Blumenberg" einem Philosophen den Löwen der
Weisheit erscheinen ließ. Die Dresdner Rede Lewitscharoffs wird als
Skandal in die Geschichte eingehen. Wer Menschen als "Weißnichtwas"
bezeichnet, der diffamiert und verletzt, der ebnet der Gewalt die
Bahn. Gerade in Deutschland muss das jedem klar sein, gerade einer
Autorin auf dem Rednerpult. Immerhin erfolgte der Protest
unmittelbar. Wenigstens das.
Stefan Lüddemann
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Datum: 06.03.2014 - 22:00 Uhr
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