Südwest Presse: KOMMENTAR · GAUCK
ID: 1029630
Bundespräsident Joachim Gauck hat an einem der Tatorte deutscher
Morde in Griechenland um Verzeihung gebeten, Reparationsforderungen
für Nazi-Verbrechen aber hat er zurückgewiesen. Aus deutscher Sicht
ist der Rechtsweg in dieser Angelegenheit abgeschlossen, man will
keinen Präzedenzfall schaffen und versteift sich auf die Ansicht,
völkerrechtlich sei da nichts zu machen. Diese Haltung ist aus Gaucks
Sicht, der im Ausland nicht der Bundesregierung widersprechen kann,
nachvollziehbar. Trotzdem ist sie undifferenziert und falsch. Es geht
bei den griechischen Forderungen nicht nur um Sühne für Morde und
Massaker. Die sind mit Geld sowieso nicht wiedergutzumachen. Es geht
auch nicht nur um die nachhaltige Zerstörung der griechischen
Infrastruktur, den systematischen Raub und eine mit Bedacht und bösem
Willen entfesselte Hyperinflation. Sondern es geht auch um
tatsächliche, reale Schulden. Nazi-Deutschland hatte während der
Besatzung den Griechen ihre Devisenreserven abgepresst: als zinslose
Zwangsanleihe in Höhe von etwa 476 Millionen Reichsmark. Dieses Geld
war ein Kredit, selbst die Nazis hatten eine Rückzahlung vertraglich
zugesichert. Doch die Bundesrepublik weigert sich bis heute. Man kann
sich auf den Standpunkt stellen, 70 Jahre nach dem Nazi-Terror sei es
nicht mehr an der Zeit für Reparationen, schließlich habe Deutschland
hohe Entschädigungen gezahlt. Diese Meinung ist zweifelhaft genug. Es
gibt aber tatsächlich alte Rechnungen, die noch nicht beglichen sind.
Man zahlt seine Schulden. Erst recht, wenn man sie mit vorgehaltener
Waffe aufgenommen hat.
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Ulrike Sosalla
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Datum: 07.03.2014 - 19:09 Uhr
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