Neue Westfälische (Bielefeld): Umgang mit Uli Hoeneß Großmut macht die Gesellschaft stark¶

Neue Westfälische (Bielefeld): Umgang mit Uli Hoeneß
Großmut macht die Gesellschaft stark¶

ID: 1033051
(ots) - Uli Hoeneß wird nicht in Revision gehen, sondern
ins Gefängnis. Er akzeptiert das Urteil wegen Steuerhinterziehung und
legt alle seine Ämter beim FC Bayern München nieder. Auch wenn seine
erste Reaktion noch von Trotz gekennzeichnet war und er gegen das
Urteil vorgehen wollte, ist das jetzt eine vernünftige Entscheidung.
Die einzige vernünftige Entscheidung. Hätte er starrsinnig am Kampf
festgehalten, niemand nähme ihm seine vor Gericht geäußerte Reue ab.
Er hat mit seiner Einsicht Boden gutgemacht und Pluspunkte gesammelt.
Auf freilich aktuell niedrigem Niveau. Ja, der Ex-Bayernpräsident ist
völlig zu recht verurteilt worden. Dafür ist der Rechtsstaat
zuständig. Deshalb verdient dieser das Vertrauen der Menschen, der
Gesellschaft. Erschreckend waren jedoch die Reaktionen von Teilen der
Öffentlichkeit auf das Urteil. Häme, fast Hass wurden über Hoeneß
ausgeschüttet. Vor allem im Internet, wo die anonymen Hetztiraden
sowieso häufig zu lesen sind. Aber auch Teile der Medien - das muss
an dieser Stelle auch gesagt werden - haben sich in herabwürdigender
Art und Weise über Uli Hoeneß hergemacht. Als wollte man einen
Menschen, der einen großen Fehler gemacht hat, komplett vernichten.
Immer noch mal drauf auf den, der schon am Boden liegt. Macht sich
auch nur einer Gedanken darüber, was es menschlich bedeuten kann, vom
Olymp direkt in den Abgrund zu stürzen? Doch das Niedermachen hat
inzwischen System in Deutschland. Wer Fehler macht, wird vernichtet.
Die FDP-Spitzenpolitiker wurden nach dem Desaster der Liberalen bei
der jüngsten Bundestagswahl persönlich so sehr angegriffen, dass sie
ihre Internetauftritte abschalten mussten. Es wurde zu unerträglich.
Bischof Franz-Peter Tebartz-van-Elst wurde beschimpft, dass sich ein
normal zivilisierter Mensch schämen müsste. Und auch beim Fall von
Ex-Bundespräsident Christian Wulff gab es Auswüchse. Kritik ist gut


und richtig. Fehler und Fehlverhalten müssen benannt und
gegebenenfalls geahndet werden, um Zusammenleben in einer
Gesellschaft zu ermöglichen. Es kann nicht jeder tun, was ihm allein
behagt und der Gemeinschaft schadet. Sicher, wer jahrelang so
selbstgerecht daherkommt wie Uli Hoeneß oder die FDP, muss damit
rechnen, besonders hart angegangen zu werden. Aber auch dann sollte
die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Wer Hoeneß mit dem
NSU-Mitglied Beate Zschäpe auf eine Stufe stellt, der überzieht.
Hoeneß hat "nur" Steuern hinterzogen. Zschäpe war mutmaßlich an elf
niederträchtigen Morden zumindest im Hintergrund beteiligt. Auch der
Vergleich mit Kinderschändern und Sexualstraftätern verbietet sich.
Wenn sich der Wert oder die Menschlichkeit einer Gesellschaft daran
bemisst, wie sie mit den Schwächsten umgeht, ist es schlecht um uns
bestellt. Jeder Fehler wird gnadenlos ausgepfiffen. Ob im
Fußballstadion, im Kollegenkreis oder vor dem Gerichtssaal. Auch wenn
Hoeneß sehr lange stark und überbetont obenauf war und nun vielleicht
nur zeitweise schwach ist, weil er derzeit im krassen Licht seines
dramatischen Fehlers beurteilt wird und sich eventuell selbst so
sieht, gehört ihm doch Menschlichkeit entgegengebracht. Auch er muss
wie andere Täter die Möglichkeit der Reue und der Umkehr haben. Die
hat er nicht, wenn die Gesellschaft ihn menschlich vernichtet. Wer
daran mitwirkt, ist maßlos und selbstgerecht wie die, die er
fertigmacht. Das ist ein schlechtes Miteinander. Doch nur Großmut
macht unsere Gesellschaft stark.



Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Lausitzer Rundschau: Respekt, Herr Hoeneß! 

Zum Verzicht auf Urteils-Revision und das FCB-Präsidenten-Amt Schwäbische Zeitung: Typisch Hoeneß
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 14.03.2014 - 20:43 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1033051
Anzahl Zeichen: 3932

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Bielefeld



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 241 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue Westfälische (Bielefeld): Umgang mit Uli Hoeneß
Großmut macht die Gesellschaft stark¶
"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Neue Westfälische (Bielefeld) (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Höhe der Rente hängt auch vom Wohnort ab ...
Die Höhe der Rente unterscheidet sich in NRW von Wohnregion zu Wohnregion teils erheblich. Bei Männern macht es im Jahr einen Unterschied von 5.000 Euro aus, ob sie in Münster (1.185 Euro/Monat) oder im Rhein-Erft-Kreis (1.591 Euro/Monat) leben. Frauen in Gelsenkirchen (818 Euro) bekommen im Jahr

Hunderte Verstöße gegen Spritpreisregel in NRW bleiben folgenlos - ADAC kritisiert "zahnlosen Tiger" ...
Hunderte Tankstellen in Nordrhein-Westfalen verstoßen gegen die gesetzliche Spritpreisregel - doch geahndet wird bislang kein einziger Fall. Seit Anfang April wurden in NRW insgesamt 2.634 unzulässige Preiserhöhungen durch 447 Tankstellen registriert, wie aus einer Analyse von Daten des Bundeskar

Verdi-Chef Werneke: AfD hätte bei uns keine Chance ...
Bielefeld. Verdi-Chef Frank Werneke sieht derzeit keinen wachsenden Einfluss der AfD auf die Gewerkschaften im Land. Auf die Frage im Interview mit der "Neuen Westfälischen" (Bielefeld), ob der Einfluss der AfD auch in Gewerkschaften zunehme, sagt Werneke: "In den Gewerkschaften nich


Weitere Mitteilungen von Neue Westfälische (Bielefeld)


Lausitzer Rundschau: Respekt, Herr Hoeneß! Zum Verzicht auf Urteils-Revision und das FCB-Präsidenten-Amt ...
Uli Hoeneß hat mehr Gespür bewiesen als seine Anwälte. Der Bayern-Boss lässt es nicht mehr auf eine Revision ankommen. Respekt, Herr Hoeneß! Der Mann macht endgültig Schluss mit der Taktiererei und gibt damit auch anderen ertappten Steuerkriminellen ein Beispiel. Hätte sich Hoeneß freil

Rheinische Post: Zumutung für die Unis ...
Etwas besser als sehr schlecht ist leider noch nicht gut, sondern immer noch schlecht - das gilt auch für den nur leicht überarbeiteten Entwurf des NRW-Hochschulgesetzes. Die Universitäten haben recht mit der Klage, auch die neue Version sei eine Zumutung. Immer noch spricht aus den 84 Paragr

Lausitzer Rundschau: Das Ende der Naivität Zu den längerfristigen Folgen der Krim-Krise ...
Mit dem Referendum am morgigen Sonntag ist der Anschluss der Krim an Russland kaum noch aufzuhalten. Putin hat sich mit brachialer Gewalt durchgesetzt, alle Bemühungen um eine diplomatische Lösung sind gescheitert. Europa wirkt hilflos. Was hier passiert, ist ein Schock, der noch lange nachwirk

BERLINER MORGENPOST: Fast zu spät für Anstand/ Ein Kommentar von Raik Hannemann ...
Zuspruch gab es unerwartet reichlich und aus allen Ecken, als Uli Hoeneß den Verzicht auf eine Revision erklärte. Selbst die Kanzlerin fühlte sich bemüßigt, ihrem früheren Berater Respekt zu zollen für die Entscheidung, auf weitere Rechtsmittel zu verzichten. Aber steht sie damit nicht etwa


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z