Börsen-Zeitung: Die Hand gereicht, Kommentar zum Bankentag von Bernd Wittkowski
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Deutschen Bankentag mit einer unspektakulären, aber wohltemperierten
Rede überzeugt. Das ist nicht selbstverständlich. Beim Bankentag vor
drei Jahren hatte sein Vorgänger Christian Wulff eine Philippika
gehalten, undurchsichtige Anlageprodukte, die leichtfertige
Kreditvergabe an Staaten, unangemessene Vergütungen und den
Hochfrequenzhandel gebrandmarkt und eine strengere Regulierung
gefordert. Dessen Vorgänger Horst Köhler wiederum hatte 2008, bei
anderer Gelegenheit, die internationalen Finanzmärkte als "Monster"
geschmäht. Den Unterschied machen nicht nur die drei bzw. sechs
Jahre, die zwischen diesen Äußerungen liegen und in denen sich viel
getan hat. Den Unterschied machen auch der jeweilige Stil des
Staatsoberhaupts, nicht zuletzt sein Freiheits- und damit sein
Regulierungsverständnis sowie die Erkenntnis Gaucks, dass das Thema
zu komplex ist für undifferenzierte Schuldzuweisungen.
Der heutige Bundespräsident will, wie er sagt, weder die Banken
beschimpfen noch eine heile Bankenwelt besingen. Er kritisiert
ethisch fragwürdige, wenn nicht sogar gesetzeswidrige Geschäfte,
falsche Anreize im Bonussystem oder übersteigerte Gewinnansprüche,
würdigt aber auch, dass es längst zahlreiche neue Regeln gebe, und
vergisst zudem nicht zu erwähnen, dass Gewinnstreben keineswegs
verwerflich sei. Er betont, dass alle Akteure verantwortungsbewusst
handeln müssten: nicht allein die Banken, sondern auch
renditehungrige private Anleger und schließlich der Staat, dessen
Rahmenordnung Fehlverhalten doch erst ermöglicht habe.
Diese Ausgewogenheit wird der Sache und allen Beteiligten gerecht,
scheint aber sogar Bankenpräsident Jürgen Fitschen ein wenig
überrascht zu haben, der wohl mit einer schärferen Schelte gerechnet
hatte. Andererseits reicht auch der Co-Chef der Deutschen Bank der
Politik demonstrativ die Hand, wenn er als Regulierungsbefürworter
auftritt - einzelne Punkte wie Trennbankengesetz und
Finanztransaktionssteuer ausgenommen -, wenn er die große Leistung
der Politik bei der Krisenbewältigung hervorhebt, zum x-ten Mal
Fehler einräumt und seiner Zunft "Demut statt Übermut" ins Stammbuch
schreibt.
Beim Bankentag haben sich Politik - Bundesfinanzminister Wolfgang
Schäuble eingeschlossen - und privates Kreditgewerbe also aufeinander
zubewegt. Das kann man nur begrüßen, denn ein dauerhafter
Konfrontationskurs wäre schädlich nicht nur für diese beiden Seiten,
sondern für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und die deutsche
Volkswirtschaft insgesamt.
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Datum: 09.04.2014 - 20:55 Uhr
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