ROG empört über Verschleppung von Journalisten in der Ukraine
ID: 1050401
Verschleppung von Journalisten in der Ukraine. In den vergangenen
Tagen wurden mehrere in- und ausländische Reporter von pro-russischen
Kräften festgenommen, etwa der US-amerikanische Journalist Simon
Ostrovsky, der seit Dienstag festgehalten wird:
"Es ist unerträglich, dass Journalisten gezielt als Geisel
genommen und so zu einem Spielball in der Auseinandersetzung werden",
sagt ROG-Geschäftsführer Christian Mihr in Berlin. "Journalisten
müssen über die Geschehnisse vor Ort frei und ungehindert berichten
können, egal, woher sie kommen."
Simon Ostrovsky vom US-Magazin Vice ist am Dienstag in der Stadt
Slawjansk verschwunden. Einem Bericht der russischen Webseite
Gazeta.ru zufolge sagte der selbsternannte Bürgermeister von
Slawjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, der Reporter und Filmemacher sei
in den Händen der Separatisten. Er stehe im Verdacht, ein Spion der
ultranationalistischen Gruppe Rechter Sektor zu sein. Ostrovsky gehe
es jedoch gut, er arbeite an einer "exklusiven Reportage".
Der ukrainische Journalist Jewgen Gapitsch, ein Fotoreporter für
die Zeitung "Reporter" und für eine Reihe weiterer Medien, ist
ebenfalls am Dienstag in der Stadt Horliwka verschwunden. Der
ukrainische Journalist Serhiy Lefter wurde am 16. April von
prorussischen Kräften verschleppt, als er in Zusammenarbeit mit der
Nichtregierungsorganisation Open Dialogue Foundation auf einer
Beobachtermission in der Ostukraine unterwegs war. Am 13. April ist
auch der Ukrainer Artem Deynega verschwunden. Der Blogger hatte am
12. April die Besetzung des Polizeihauptquartiers in Slawjansk
gefilmt und ins Internet gestreamt. Einen Tag später klingelten
Unbekannte bei dem 25-Jährigen und nahmen ihn mit. Pro-russische
Sicherheitskräfte hatten die Kamera auf seinem Balkon gesehen und
wollten eine weitere Berichterstattung verhindern. Vergangenen
Sonntag wurden auch der belarussische Journalist Dimitri Galko sowie
der italienische Reporter Kossimo Attanasio und sein französischer
Kollege Paul Gogo in Slawjansk von Unbekannten angegriffen und
vorübergehend festgehalten.
In den vergangenen Tagen ist auch die Übertragung weiterer
ukrainischer Radio- und Fernsehprogramme gestört worden. Am 17. April
besetzten Unbekannten den Fernsehturm in Slawjansk, schalteten die
ukrainischen Programme ab und ersetzten sie durch Sendungen aus
Russland. Anschließend konnten ukrainische Truppen den Fernsehturm
wieder erstürmen, wurden jedoch erneut von pro-russischen Kräften
überwältigt. Bereits am 7. April stürmten rund 50 maskierte Männer
den Fernsehsender ATN in Charkiw, zerstörten Computer sowie Akten und
Papiere und verkündeten, dass sie den Sender fortan kontrollierten.
Sie ordneten die Ausstrahlung von Programmen aus Russland an und
bedrohten den Intendanten des Senders, Oleg Juhtu.
Ukrainische Journalisten haben während der vergangenen Wochen
wiederholt gegen die Übergriffe protestiert. Am 8. April forderten
die Nationale Gewerkschaft der Journalisten und die Gewerkschaft
unabhängiger Medien bei einer Demonstration in Charkiw die Behörden
auf, Journalisten effektiver zu schützen.
Auch russische Journalisten werden seit der Annexion der Krim bei
ihrer Arbeit behindert. Der Kommersant-Reporter Andre Kolesnikow und
Fotograf Dimitri Asarow wollten am 8. April über Demonstrationen aus
Charkiw berichten. Ukrainische Posten wiesen die beiden Journalisten
jedoch an der Grenze mit der Begründung zurück, nicht genug Bargeld
bei sich zu führen.
Die politische Krise hat verheerende Folgen für die Meinungs- und
Pressefreiheit in der Ukraine. Nach Angaben des Institutes of Mass
Informationen (IMI) in Kiew, einer Partnerorganisation von Reporter
ohne Grenzen, haben sich allein in den ersten drei Monaten dieses
Jahres 196 Angriffe auf Journalisten ereignet.
Auf der aktuellen ROG-Rangliste der Pressefreiheit belegt die
Ukraine Platz 127 von insgesamt 180 Ländern.
Am Dienstag, 6. Mai 2014 um 11 Uhr veranstaltet Reporter ohne
Grenzen in Berlin ein Pressegespräch zur Lage der Medien in der
Ukraine. Oksana Romaniuk, die Leiterin der ROG-Partnerorganisation
Institute of Mass-Information (IMI) wird in Berlin zu Gast sein. Eine
gesonderte Einladung folgt in der kommenden Woche.
Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Silke Ballweg / Christoph Dreyer
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
T: +49 (0)30 609 895 33-55
F: +49 (0)30 202 15 10-29
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Datum: 24.04.2014 - 11:40 Uhr
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