Rheinische Post: Kommentar /
Gaucks Standpauke
= Von Thomas Seibert
ID: 1051917
in aller Öffentlichkeit so kritisch über die Zustände in der Türkei
geäußert, wie Bundespräsident Joachim Gauck das gestern getan hat.
Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und seine Anhänger werden ihm
das nicht verzeihen. Doch einige Türken atmen auf - denn für sie sind
Gaucks Worte ein Zeichen dafür, dass Erdogans Kurs im westlichen
Ausland immer mehr auf Ablehnung stößt. Dabei strebte Gauck nicht
nach einem Schlagabtausch, sondern nach einem offenen Dialog: So wie
sich die Türkei für Ereignisse und Missstände in Deutschland
interessiere - wie etwa bei den NSU-Morden an Türken -, so
interessiere sich Deutschland für das, was in der Türkei geschehe.
Und dann legte er los: Twitter-Verbot, Massenversetzungen bei der
Polizei, Sorgen um die Gewaltenteilung - alles, was in der Türkei
derzeit heiß diskutiert wird, sprach Gauck an. Es war eine
öffentliche Standpauke. Aber Erdogans harte Linie der vergangenen
Monate ließ einem Politiker wie Gauck auch gar keine andere Wahl, als
klare Worte zu sprechen.
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Datum: 28.04.2014 - 20:35 Uhr
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