Börsen-Zeitung: Notarzt ja, Reha nein, Kommentar zur Staatsschuldenkrise von Detlef Fechtner
ID: 1054659
Hilfsprogramm ohne Sicherheitsnetz zu verlassen. Das ist nun wirklich
keine Überraschung. Denn welchen Anreiz hätte die Regierung gehabt,
sich freiwillig erneut den so oft beklagten strikten Vorgaben aus
Brüssel und der in Teilen der Bevölkerung regelrecht verhassten
strengen Kontrolle der Troika zu unterwerfen? Der Beschluss der
portugiesischen Regierung spiegelt insofern eine Schwachstelle des
Euro-Rettungsmanagements wider. Er ist nicht das Ergebnis sachlicher
Einschätzung der eigenen finanzpolitischen Lage, sondern Ausdruck des
sehnlichen Wunsches, möglichst schnell den Klauen der Troika zu
entkommen.
Es ist wie in der Gesundheitspflege: Auf Vorbeugung hat sowieso
kaum jemand Lust. Aber selbst wenn es bereits kneift und schmerzt,
wird oft der Gang zum Mediziner hinausgezögert, bis schließlich der
Notarzt gerufen werden muss. Und wenn der dann mit allerlei
Infusionen den Körper wieder einigermaßen in Schuss gebracht hat,
verlässt der Patient fluchtartig die Klinik, um erneut zu tun und zu
lassen, was er für richtig hält. In der Reha wäre er zwar im Fall
eines Rückschlags behütet, müsste aber noch länger Leute in Weiß um
sich herum ertragen.
Gewiss, Bürgern aus Programmländern wird es wie eine Provokation
vorkommen, wenn ihre souveränen Staaten mit Patienten in einer Klinik
verglichen werden, in der immer die anderen die wirkungsvolleren
Rezepte haben. Allein: Auch wenn nicht raus ist, ob Portugal und
Irland den "clean exit" problemlos schaffen werden, zumal sie dabei
ja auf anhaltende Risikofreude der Investoren angewiesen sind, zeigen
die Beispiele doch bereits: Die Behandlungsmethode hat grundsätzlich
funktioniert. Man kann hitzig darüber streiten, ob zu schnell gespart
oder zu ehrgeizig reformiert wurde. Aber unzweifelhaft ist, dass
Sparkurs und Reformen erst die Basis dafür geschaffen haben, dass
diese Staaten nun wieder wachsen und überhaupt über einen Exit
nachdenken können - ob clean oder nicht.
Die Euro-Rettungsmanager täten gut daran, an der Strategie der
konditionierten Hilfe - Solidarität gegen Solidität - festzuhalten,
sie aber um eine modifizierte Ausstiegsvariante zu ergänzen. Das wäre
spätestens hilfreich, wenn bald Griechenland ebenfalls auf einen
sauberen Ausstieg pocht. Dann wäre es gut, wenn die Euro-Partner ein
Angebot machen können, das ein Sicherheitsnetz spannt und dennoch der
Regierung einen Teil ihrer finanzpolitischen Souveränität zurückgibt,
ohne sie ganz aus der Aufsicht zu entlassen.
Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion
Telefon: 069--2732-0
www.boersen-zeitung.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 05.05.2014 - 20:50 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1054659
Anzahl Zeichen: 2944
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Frankfurt
Kategorie:
Wirtschaft (allg.)
Diese Pressemitteilung wurde bisher 239 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Börsen-Zeitung: Notarzt ja, Reha nein, Kommentar zur Staatsschuldenkrise von Detlef Fechtner"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Börsen-Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die internationale Anleihefamilie ist vor wenigen Tagen um ein neues Mitglied erweitert worden. Nach den Green Bonds gibt es nun einen weiteren Bond mit Farbanstrich: Blue Bonds. Die Pionierrolle übernahm die Inselrepublik Seychellen, die einen zehnjährigen Bond zu einer Rendite von 6,5 Pro
Börsen-Zeitung: Die Hoffnung stirbt zuletzt, Kommentar zum Brexit von Andreas Hippin ...
Die britische Regierung hat derzeit ein großes Interesse daran, einen Deal mit der EU in greifbare Nähe rücken zu lassen. Spindoktoren haben Urlaubssperre. Positive Äußerungen aus London erhöhen den Druck auf die Gegenseite, Zugeständnisse zu machen, so das Kalkül. Zudem will Premiermin
Börsen-Zeitung: Trick or Treat?, Kommentar zur chinesischen Konjunktur von Norbert Hellmann ...
Passend zum Halloween-Fest laufen aus China gruselige Konjunkturdaten ein. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Industriesektor, der die Stimmungslage bei den großen Zugpferden im Verarbeitenden Gewerbe abbildet, fällt wesentlich stärker als erwartet auf 50,2 Punkte und damit auf den
Weitere Mitteilungen von Börsen-Zeitung
Westfalenpost: Freihandelsabkommen ...
Wollen die Europäer wegen Chlorhähnchen, Gen-Pflanzen und Hormon-Rindern auf Wirtschaftswachstum und hunderttausende zusätzlicher Arbeitsplätze verzichten? So stellt es EU-Handelskommissar De Gucht dar, der das geplante Freihandelsabkommen zwischen EU und USA führend verhandelt. Aber das i
WAZ: Das gute Recht des Beschuldigten. Kommentar von Stefan Wette ...
Freundlich ist es nicht von Thomas Middelhoff, wenn er frühere Ankündigungen ignoriert und vor dem Kölner Landgericht plötzlich die Auskunft verweigert. Dass Gericht, Staatsanwalt und die Verteidigung viel Zeit in die Vorbereitung seiner Vernehmung investiert haben, ist für sie bitter. Aber
WAZ: Verlockungen des neuen Goldrauschs. Kommentar von Frank Meßing ...
Ein Jahr ist es her, da warnten Wirtschaftsverbände erstmals davor, dass deutsche Konzerne den Verlockungen günstiger Energiepreise folgen und in die USA abwandern. Inzwischen hat die neue Bundesregierung zwar erkannt, dass sie in der Energiepolitik und der Ökostrom-Förderung umsteuern muss.
David Mayer de Rothschild und Heike Schiffler prämierten Sieger der GreenTec Awards ...
Im Rahmen der GreenTec Awards wurden gestern in den Münchner Messehallen innovative Produkte und Projekte im Bereich Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Die GreenTec Awards zählen zu den wichtigsten Umweltpreisen Deutschlands. Sie wurden bereits zum siebten Mal vergeben und fanden in diesem Jahr im Vor




