BERLINER MORGENPOST: Löw hat Vertrauen verdient/ Ein Kommentar von Jörn Meyn
ID: 1056821
langjährige Pressechef des DFB hat die Seiten gewechselt und wird im
Sommer als Reporter über die Nationalmannschaft berichten. Das hat
natürlich was. Der muss sich ja schließlich auskennen, denn er hat
alle Turniere unter der Regie von Joachim Löw als verantwortlicher
Bundestrainer aus nächster Nähe erlebt. Jedenfalls. Stenger twitterte
am Donnerstag kurz vor der Bekanntgabe des vorläufigen WM-Kaders:
"Wenn die WM schief läuft, hört der Bundestrainer auf." Ja, aber was
heißt denn "Schieflaufen"? Stenger konkretisierte: Schief gelaufen
wäre das Weltturnier in Brasilien für Löw, wenn das Team unter
tropischen Bedingungen bereits in der Vorrunde oder im Achtelfinale
ausscheiden würde. Ein Aus danach sei in seiner Folgenschwere für den
Bundestrainer davon abhängig, gegen wen man so rausfliegt und wie man
sich dabei anstellt.
Das klingt natürlich logisch. Vorrunden-Aus geht gar nicht. Dann
muss Löw weg. Ist doch klar. Und wenn im Achtelfinale schon Schluss
sein sollte, ist der Schwarzwälder auch kaum noch zu vermitteln. Aber
wenn man mal ehrlich ist, würde die allermeisten Fußballfans
hierzulande Löw wohl am liebsten die Einreise nach Deutschland
verweigern, wenn er die Frechheit besäße, ohne Weltpokal
heimzukehren. Aber warum eigentlich? Warum steht Löw bei seinem
vierten Turnier als Bundestrainer so unter Erfolgsdruck? Weil endlich
der Titel her muss. Und wenn nicht mit dieser bärenstarken Truppe,
mit welcher bitteschön dann, heißt es oft. Dass es Löw war, der die
deutsche Nationalmannschaft nach Jahren der Tristesse überhaupt erst
wieder in die Reihe der Titelfavoriten geführt hat, wird oft mit
einem selbstherrlichen Anspruchsdenken vergessen. Es gibt keine
Garantie auf den Titel. Da ist es so wie im echten Leben, wo sich
großer Einsatz manchmal auch nicht auszahlt. Löw hat sich verdient,
dass nicht schon vor dem Turnier über sein mögliches Scheitern
spekuliert wird. Er hat sich trotz des ärgerlichen Halbfinal-Aus
gegen Italien bei der EM 2012 Vertrauen verdient - und nicht Argwohn.
Der Kommentar im Internet: www.morgenpost.de/127789585
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Datum: 08.05.2014 - 20:29 Uhr
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