BERLINER MORGENPOST: Rettet die Schiedsrichter/ Ein Leitartikel von Hajo Schumacher

BERLINER MORGENPOST: Rettet die Schiedsrichter/ Ein Leitartikel von Hajo Schumacher

ID: 1072376
(ots) - Die Schuldfrage scheint geklärt: Der Schiri war's.
Ob der zweifelhafte Elfer für Spanien, zwei klare, aber weggepfiffene
Tore für Mexiko oder Freds Kunstflug, der einen unverdienten
Strafstoß und die halbwegs gleichwertigen Kroaten im Eröffnungsspiel
gegen Brasilien in Rage brachte - stets waren der Unparteiische und
seine Gehilfen die Bösen. Pfeife, schwarze Sau, Blindgänger - die
üblichen Pöbeleien eben, nicht edelmütig, aber erklärbar, wenn der
Sieg nicht der Leistung, sondern dem Zufall zu verdanken ist. Im
ersten Zorn drohte Kroatiens Trainer Kovac gar, das Turnier zu
verlassen. Lieber Strand als Veräppeltwerden.

Die Kritik an den Unparteiischen ist richtig und falsch zugleich.
Ja, es wurden Fehlurteile getroffen, in rekordverdächtiger Zahl.
Aber: Schieds- und Linienrichter können nichts dafür. Schließen wir
den Faktor böse Absicht aus, bleibt die Erkenntnis: Sie können es
nicht besser. Nicht etwa, weil sie schlecht ausgebildet wären,
sondern schlicht, weil der menschliche Wahrnehmungsapparat nicht in
der Lage ist, binnen Zehntelsekunden hochkomplexe Konstellationen mit
tückebegabten Akteuren richtig zu bewerten. Kein Mensch könnte das.

Selbst die tausend Augen der hochfeinen Kameras mit all ihren
Perspektiven, Zeitlupen, Nahaufnahmen und Hilfslinien sind bisweilen
überfordert. Wie also soll ein Linienrichter selbst auf Ballhöhe
zuverlässig beurteilen, was im Getümmel 30 Meter entfernt geschieht,
mit Passgeber, Passempfänger, diversen Verteidigern und schließlich
dem Ball? Das Spiel ist einfach zu schnell geworden. Gut für die
Zuschauer, nicht zu bewältigen für Rasenrichter und alle anderen
Menschen. Wer Schiedsrichter kritisiert, der könnte auch
Kanzleramtsminister Peter Altmaier vorwerfen, dass er keinen
Van-Persie-Flugkopfball hinbekommt. Manche Sachen gehen eben nicht.



Prof. Dr. Daniel Memmert, Chef des Instituts für Kognitions- und
Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln, hat einen
Aufmerksamkeitstest entwickelt, um zu ermitteln, wie viele
Informationen ein Sportler gleichzeitig aufnehmen kann. Fazit: Es ist
unmöglich, ein Abseits zuverlässig zu erkennen. Die Studienergebnisse
legen nahe, dass ab einer bestimmten Komplexität die
Trefferwahrscheinlichkeit bei nahezu 50/50 liegt. Die Schiedsrichter
in Brasilien könnten also genauso gut eine Münze werfen.

Die Lösung: Die Fifa, modernisierungsfroh wie der Vatikan, muss
schleunigst alle technischen Entscheidungshilfen prüfen - nicht um
die Schiedsrichter zu entmachten, sondern im Gegenteil, um sie vor
dem globalen Zorn zu schützen, der sich derzeit gegen ihren
Berufsstand aufbaut. Ob die Linienkontrolle beim Tennis oder der
Videobeweis, den jedes Team einmal pro Halbzeit anfordern kann - der
Optionen sind einige. Die Torlinienkamera ist ein Anfang, aber ein
hasenfüßiger. Rettet die Schiris, so schnell wie möglich.

Der Leitartikel im Internet: www.morgenpost.de/129078812



Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST
Chef vom Dienst
Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Badische Zeitung: Fifa-Sperre für  Beckenbauer: Ein Manöver zur Ablenkung
Kommentar von Georg Gulde PwC-Analyse: Heimvorteil macht Brasilien zum WM-Favoriten, Deutschland im Finale
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 14.06.2014 - 19:07 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1072376
Anzahl Zeichen: 3406

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Fussball



Diese Pressemitteilung wurde bisher 339 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"BERLINER MORGENPOST: Rettet die Schiedsrichter/ Ein Leitartikel von Hajo Schumacher"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

BERLINER MORGENPOST (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

"Berliner Morgenpost" Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den

"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den

"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den


Weitere Mitteilungen von BERLINER MORGENPOST


Badische Zeitung: Fifa-Sperre für Beckenbauer: Ein Manöver zur Ablenkung Kommentar von Georg Gulde ...
Franz Beckenbauer ist Ehrenpräsident von Bayern München und Berater der Fifa - andere Ämter bekleidet er nicht mehr. Das heißt: Die 90 Tage tun ihm nicht im geringsten weh. Die Sperre der Fifa ist somit nur eines: ein Ablenkungsmanöver. Der Fußball-Weltverband um seinen Präsidenten Jose

Weser-Kurier: Kommentar von Marc Hagedorn zum WM-Auftakt ...
Während die Gewalttätigkeiten in den großen Städten weitergehen, braucht Brasilien die Hilfe des japanischen Schiedsrichters, um gegen Kroatien zu gewinnen. Ein fragwürdiger Start in das Turnier. Die Vorstellung jedenfalls, dass nun, wo endlich der Ball rollt und Brasilien gewinnt, alles sch

Trauer, Träume, Tränenmeer - Davor fürchten sich deutsche Fußballfans / Die Coke Zero Gegentore-Umfrage zur FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2014[TM] (FOTO) ...
Gegentore bei einer WM tun immer weh: Es gibt aber Treffer, die sind besonders schmerzhaft, da sie eine bittere Niederlage besiegelt haben. Das Tor des Italieners Fabio Grosso im Halbfinale 2006 ist dafür ein besonders schmerzhaftes Beispiel. Die Coke Zero Gegentore-Umfrage stellt die schme

DFB-Manager Oliver Bierhoff bei Monica Lierhaus ...
Am kommenden Montag beginnt auch für die Deutsche Nationalmannschaft die Fußball-Weltmeisterschaft. Die Elf um Kapitän Philipp Lahm trifft in ihrem ersten Spiel auf Portugal. Vor dem vorweggenommenen Duell um den Gruppensieg spricht Monica Lierhaus mit Oliver Bierhoff. Der Manager der Deuts


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z