Lausitzer Rundschau: Kein Grund zur Panik
Zur Diskussionüber ärztliche Behandlungsfehler
ID: 1075387
Insofern werden Patienten wohl auch künftig mit falschen Diagnosen
konfrontiert sein. Oder Operationen, bei denen Mediziner schlicht
versagt haben. Zur Panikmache besteht jedoch kein Anlass. Selbst wenn
die statistischen Angaben lückenhaft sind, so lässt sich aus den
vorliegenden Daten doch schließen, dass Behandlungsfehler eine
Ausnahme darstellen und nicht etwa die Regel. Trotz aller Unkenrufe
fühlen sich die allermeisten Patienten bei ihrem Arzt in guten
Händen. Auch weil das Gesundheitswesen in Deutschland international
zu den Besten seiner Art gehört. Im konkreten Fall ist ein Fehler
freilich immer einer zu viel. Schon deshalb sind regelmäßige
Veröffentlichungen darüber auch so wichtig. Denn nur, wer Fehler
benennt, kann sie künftig auch vermeiden. Schon um Skandalisierungen
einen Riegel vorzuschieben, wäre es wichtig, über eine gesicherte
Datenlage zu verfügen. Ein nationales Fehler-Register, wie es die
Stiftung Patientenschutz fordert und in dem sich alle beanstandeten
Behandlungsfälle, egal ob von Ärzten, Kassen oder Gerichten
registriert, widerspiegeln, ist daher überfällig. Zumindest wäre es
dann schlecht möglich, ohne fundierten Nachweis fünfstellige
Horrorzahlen über Tote durch mangelnde medizinische Sorgfalt in die
Welt zu setzen, wie das schon in der Vergangenheit geschehen ist.
Parallel dazu gilt es, den Ursachen ärztlicher Fehler stärker auf den
Grund zu gehen. Wer dafür allein den täglichen Stress ins Feld führt,
macht es sich sicher zu einfach. Arbeitsverdichtung und wachsende
Leistungsanforderungen sind schließlich auch in vielen anderen
Berufen an der Tagesordnung. Fest steht, dass sich Kliniken schon
länger veranlasst sehen, die medizinische Notwendigkeit von
Operationen den wirtschaftlichen Zwängen unterzuordnen. Auch deshalb
häufen sich Eingriffe bei Knie- und Hüftgelenken, obwohl für manchen
Patienten vielleicht einfach mehr Bewegung nutzbringender wäre. Durch
das geltende Vergütungssystem für die Krankenhäuser wird diese Praxis
zweifellos begünstigt. Hier muss die Politik dringend über
Korrekturen nachdenken. Auch ist es ein unhaltbarer Zustand, dass die
allermeisten Bundesländer ihren Investitionsverpflichtungen gegenüber
den Kliniken mehr schlecht als recht nachkommen. Das wiederum sorgt
ebenfalls für unnötige Operationen, mit deren Erlös manche Klinik
dann eben ihr kaputtes Dach reparieren lässt. In die Problemkette
gehört darüber hinaus eine unzureichende medizinische
Spezialisierung. Viele Studien belegen inzwischen, dass Krankenhäuser
mit einer hohen Fallzahl an Geburten oder Gelenkoperationen eine
deutlich geringere Fehlerquote aufweisen als Kliniken mit geringen
Fallzahlen. Es gibt also noch genügend Stellschrauben, um
Behandlungsfehler zu minimieren. Auch wenn sie sich nie gänzlich
vermeiden lassen werden.
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Datum: 23.06.2014 - 23:04 Uhr
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