Weser-Kurier: Kommentar von Klaus Ehringfeld zum Ticket-Skandal bei der Fußball-WM
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des FIFA-Marketingchefs zum WM-Ticket-Skandal in Brasilien hört. Der
Fußball-Weltverband gibt sich nach den Worten von Thierry Weil
zerknirscht und weist sich als Anwalt des kleinen Fans aus, den er
vor den bösen Schwarzmarkthändlern und ihren exorbitanten Preisen
schützen will. Man möchte Monsieur Weil gern fragen, warum denn dann
eigentlich so wenige Tickets in den freien Verkauf gegangen sind?
Warum werden Sponsoren mit Kontingenten zugeschüttet, die sie nie
abrufen - weshalb die Stadien bei manchen Spielen halbleer wirken?
Und wie kommt eine Sportmarketing-Agentur in Lagos, Nigeria, an
Hunderte von Tickets, die sie offensichtlich fast vollständig in Rio
de Janeiro auf den Schwarzmarkt wirft? Warum ist das so? Wer ist
dafür verantwortlich? Und wer verdient bei der FIFA daran? Und warum,
lieber Herr Weil, mischt denn offensichtlich ein hoher Funktionär des
Weltverbands als oberster Kartendealer da mit? Ist das nur ein
sprichwörtliches schwarzes Schaf oder steckt dahinter System?
Wiederverkauf und Schwarzmarkt wird es immer geben bei
Veranstaltungen wie der Fußball-WM. Keine sportliche oder nicht
sportliche Veranstaltung auf der Welt bewegt soviel Geld wie das
globale Kicker-Kräftemessen. Und kein Sport entfacht so viel
Leidenschaft wie der Fußball. Wenn mexikanische Fans ihr Haus
verkaufen, um ihre Mannschaft zu unterstützen, und kolumbianische
Anhänger drei Monate lang mit dem Fahrrad durch Südamerika fahren, um
James Rodríguez spielen zu sehen, dann weiß man, was der Fußball an
Emotionen auslösen kann. Und genau darauf setzen all diejenigen, die
sich an dem Spektakel bereichern wollen. Die FIFA oder einzelne
Funktionäre schützen ganz offensichtlich nicht diese großartigen
Anhänger, die in Brasilien die Spiele zu wunderbaren und fröhlichen
Momenten werden lassen. Sie schützen die Interessen der Funktionäre,
der Fußball-Verwalter und der Wiederverkäufer. So lange der
Weltverband nicht wirklich auf der Seite des Fußballs, sondern eher
auf der des Kommerzes steht, kann man die Worte der FIFA-Funktionäre
nur als Zynismus bezeichnen.
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Datum: 03.07.2014 - 21:11 Uhr
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