Neue OZ: Neue OZ - Interview Medien mit Hans Sigl, Schauspieler
ID: 1083619
Fernsehspiel den Psychopaten spielen
"Bergdoktor" findet gute Komödien reizvoll - Nachhaltige
Erinnerungen an den Zivildienst im Krankenhaus ¬- "Ungeduld hat sich
in Gelassenheit gewandelt"
Osnabrück. Schauspieler Hans Sigl fühlt sich in der Hauptrolle des
ZDF-Quotenhits "Der Bergdoktor" rundum wohl, und macht sich dennoch
Gedanken über die berufliche Zukunft: "Ich bin einfach glücklich mit
meiner Arbeit, ich genieße die Zeit. Außerdem habe ich noch andere
spannende Projekte: den Live-Satire-Talk ,Hintze und Sigl' und meine
Hörbuchreihe ,Hörfreund'", sagte der 45-Jährige in einem Interview
mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). Aber: "Ich muss mir
total viele Gedanken machen. Was ist, wenn in zwei Jahren beim ZDF
ein Umschwung kommt und die Bergfilme abgesetzt werden?", fragt sich
der Österreicher, um im gleichen Atemzug die Antwort zu liefern: "Ich
werde beim ZDF im kleinen Fernsehspiel sicher nicht den Psychopaten
spielen. Mir ist durchaus klar, was für ein Rollentyp ich bin und wie
ich besetzt werde. Gute Komödien reizen mich. Ich möchte die Leute
zum Lachen bringen und ihnen einen schönen Abend bereiten. Es ist
mitunter das Schwierigste, komisch zu sein und Leute zu unterhalten."
Bei den Bergdoktor-Dreharbeiten halte er sich nicht immer streng an
das Buch, sagte Sigl weiter: "Ich kann die medizinischen Termini
natürlich nicht improvisieren, wobei ich die vor Ort auch schon mal
mit Fachberatung ändere. Ansonsten gehört Improvisation zum Alltag.
Es ist auch so gewollt. Das Vertrauen ist da, dass ich meine Texte so
sprechen kann, wie ich sie mit meiner Figur entwickelt habe." Apropos
medizinische Termini: Hans Sigl hat nicht das Verlangen danach, sich
näher mit den manchmal tief gehenden medizinischen Fällen der Serie
zu befassen: "Wenn ich jedes Jahr diese Fälle abends noch tiefer
aufbereitet hätte, dann hätte ich jetzt schon den ersten Abschnitt im
Medizinstudium machen können." Immerhin verfüge er über eine
pflegerische Vorbildung mit elf Monaten Zivildienst im Krankenhaus
Innsbruck. Mit nachhaltigen Erinnerungen. Auf seinen Wunsch sei er
damals von der sterilen Abteilung ("Deswegen bin ich nicht
Waffenverweigerer geworden") in die "Interne 4 - Frauen" versetzt
worden. Sigl: "Ich habe alles gemacht. Die Patienten gewaschen, Essen
gereicht, Zähne geputzt, Zehennägel geschnitten, bis hin zum
Totentransport in den Keller. Letzteres war eigentlich nicht
vorgesehen, ich wollte es trotzdem machen. Ich hatte noch nie einen
toten Menschen gesehen und auch noch nie transportiert. Direkt danach
habe ich erst mal meinen Pieper abgegeben, weil ich zwei Stunden für
mich brauchte. Seither nehme ich meine Arbeit und das Leben ein
bisschen pragmatischer." Er habe in der Zwischenzeit auch gelernt,
einfach mal irgendwo in Ruhe zu sitzen. "Davor hatte ich den
berühmten Aus-Knopf selten gefunden. Zum Glück habe ich gelernt, ihn
zu suchen und zu finden. Wenn ich ihn nicht gefunden hätte, dann wäre
es wahrscheinlich mit Mitte 50 schwierig geworden. Aber die Ungeduld
hat sich langsam in Gelassenheit gewandelt."
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Datum: 12.07.2014 - 07:00 Uhr
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