Börsen-Zeitung: Von Angst gelähmt, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn
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Marktteilnehmer fühlen. Denn der Rücksetzer im Aktienmarkt - die
erste Korrektur des Dax um 10% seit etwas mehr als zwei Jahren - ist
nun da. Strategen zufolge sollte dies zum Einstieg genutzt werden.
Beim Tief vom Freitag bei 8903, dem niedrigsten Stand seit dem 23.
Oktober 2013, summierten sich die seit dem Rekordhoch von 10051
Zählern angefallenen Einbußen auf 11,4%; seit dem Jahresbeginn hat
der Index nun 8,4% verloren. Damit sind auch die Bewertungen spürbar
zurückgekommen. Das aggregierte Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der
Konsensschätzungen, das sich bereits der Marke von 14 angenähert
hatte und damit etwas anspruchsvoll geworden war, hat sich auf
moderatere 12,7 zurückgebildet.
Für die Marktteilnehmer bieten sich nun reichlich Gelegenheiten,
Aktien zu deutlich niedrigeren Kursen zu erwerben als noch vor
wenigen Wochen. So sind etwa Anteile an einem Qualitätsunternehmen
wie Adidas für 56,70 Euro zu haben, nachdem sie im Januar noch 93
Euro kosteten. Doch von einem beherzten Zugreifen der Anleger auf
ermäßigtem Niveau ist weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen ist
die Gelassenheit, welche die Stimmung vor wenigen Wochen noch
kennzeichnete, völlig verflogen, sind die Investoren von Angst
gelähmt. Der Volatilitätsindex VDax-New, der ein Indikator für die
Nervosität der Marktteilnehmer ist, hat am Freitag bei 21,79
Prozentpunkten den höchsten Stand seit dem 17. März erreicht.
Kursrutsch möglich
Die Zurückhaltung ist verständlich. Denn niemand kann voraussagen,
wie sich die geopolitischen Krisen, vor allem der Ukraine-Konflikt,
in den kommenden Wochen entwickeln werden. Eine Verschärfung etwa
infolge eines Einmarsches russischer Truppen in den Osten der Ukraine
oder einer Eskalation der Wirtschaftssanktionen würde zweifellos zu
einem Kursrutsch führen. Die Marktteilnehmer können sich eben nicht
sicher sein, dass das Gröbste schon überstanden ist, auch wenn von
Russland am Freitag Entspannungssignale ausgesendet wurden. Fallende
Messer - so eine "Börsenweisheit" - soll man nicht zu fangen
versuchen, weil man sich dabei schmerzhafte Schnitte zuziehen kann.
Strategen befürchten, dass es am Aktienmarkt noch eine Zeit lang
ungemütlich bleiben wird, und verweisen auch auf technische Signale.
"Mit den Donnerstagsschlusskursen hat unser Marktbreite-Indikator
auch für den Euro Stoxx 50 ein Verkaufssignal geliefert, am Montag
war dieses bereits für den Dax gekommen", so die Landesbank
Baden-Württemberg. Auch die Regel "Abstand zur 200-Tage-Linie" zeige
"Verkaufen" an. Die Indizes hätten ihre gleitenden Durchschnitte um
mehr als 4% unterschritten. Damit gehe ein zwei Jahre alter
Bullenmarkt zu Ende. "Auch wenn die überverkaufte Situation eine
Gegenbewegung wahrscheinlich macht - einen schnellen Wiederanstieg in
die Nähe der alten Hochs sollte niemand erwarten." Die Börsen
benötigten sicher noch einige Wochen, um die nicht neuen, aber
virulenter gewordenen Risikothemen auszudiskutieren. "Erst wenn das
kommende Jahr ins Blickfeld rückt, dürften die Auftriebskräfte wieder
die Oberhand gewinnen."
"Pulver trocken halten"
Die Helaba rät Investoren, sich zunächst mit Neuengagements noch
zurückzuhalten. Trotz der jüngsten Korrekturen sei das
Chance-Risiko-Verhältnis bei Aktien noch nicht attraktiv. Nachdem
einige Indizes wie der Dax, der MDax, der Euro Stoxx50 und der
Russell 2000 die wichtige 200-Tage-Linie ohne erkennbaren Widerstand
unterschritten hätten, läuteten auch bei technisch orientierten
Anlegern die Alarmglocken. Schließlich hätten sich in der
Vergangenheit die Korrekturen nach einem sichtbaren Unterschreiten
der 200-Tage-Linie erst einmal fortgesetzt. So habe beispielsweise
der Dax in vergleichbaren früheren Zyklen seit 1960, nachdem er wie
zuletzt mindestens 4% unter die 200-Tage-Linie gefallen sei, im
Median um weitere 12% nachgegeben. "Dies deckt sich in etwa mit
unserer Prognose für die Untergrenze der Dax-Jahresspanne von 8300
Punkten. Wir raten daher, das Pulver trocken zu halten." Zum
Jahresende erwartet das Institut den Index bei 8900, im zweiten
Quartal 2015 bei 8700 Zählern."
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Datum: 08.08.2014 - 20:45 Uhr
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