Neue OZ: Interview Medien mit Schauspielerin Corinna Harfouch
ID: 1110761
und ZDF sind noch bei Trost
Verzweiflung am öffentlich-rechtlichen TV - DDR-Filmerbe gehört
verschrottet
Corinna Harfouch zweifelt an ARD und ZDF: "Es gibt bei den Sendern
nur noch ganz wenige Redaktionen, über die ich sage: Die sind noch
irgendwie bei Trost, die denken noch nach, die pflegen noch eine
Fantasie, die nicht von Tausenden Regeln erstickt ist", sagte die
Schauspielerin der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstag). "Ich weiß
gar nicht, ob ich bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehredaktionen
von Feigheit sprechen soll", sagte die 59-Jährige weiter. "Im
öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist ein System entstanden, in dem
sich der einzelne Mensch kaum noch gegen den Apparat durchsetzen
kann."
Dass in der Debatte um Qualitätsserien nur internationale
Produktionen genannt werden, hat für Harfouch einen klaren Grund:
Deutsche Qualitätsserien erwähnt niemand, "weil es keine gibt, die
den Begriff verdient. Ich höre es aber auch immer wieder, weil mir
Drehbücher mit genau dieser These angeboten werden: Das ist so was
wie 'Breaking Bad' oder wie ich weiß nicht was", so Harfouch.
Angebote dieser Art lehnt die Starschauspielerin regelmäßig ab,
zuletzt war es "'Die Füchsin'. Es geht - raten Sie mal! - um eine
Privatdetektivin. Es ist doch fürchterlich! Es gibt nichts anderes
mehr. Alle anderen Berufe spielen keine Rolle mehr."
Hart ins Gericht ging Harfouch auch mit dem Filmerbe der DDR. Dass
der ostdeutsche Programmschatz 25 Jahre nach dem Mauerfall kaum noch
bekannt ist, kommentierte Harfouch so: "Gott sei Dank. Es ist nicht
alles ein Schatz. Es gab unfassbar viel Schrott, und der wird eben
verschrottet. Man muss nicht alles aufbewahren. Vieles war
mittelmäßig, hässlich, grob und ungekonnt. Und das sehr absichtsvoll.
Die Arbeiter-und-Bauern-Unterhaltung wollte ideologisieren und hat
das mehr als holprig angestellt."
Und doch hat Harfouch auch gute Erinnerungen an die konspirative
und engagierte Stimmung, in der damals Kunst gemacht wurde: "Ich habe
das mal vermisst. Extrem", so Harfouch. "Aber dann hat mich der Satz
einer Freundin aus dem Westen aufgerüttelt, die mir gesagt hat: Aha,
aha, du brauchst für dein künstlerisches Wohlbefinden also eine
Diktatur. Und es ist etwas Wahres dran: Kunst in der Diktatur macht
auf eine ambivalente Weise viel mehr Spaß, man spürt sich ganz
einfach mehr." Der Preis dafür sei allerdings zu hoch. Außerdem
"stehen in der jetzigen Gesellschaft viel härtere Fragen an". Den
Unterschied zur Kultur im Osten beschrieb Harfouch deshalb so:
"Früher haben wir protestiert, weil wir nicht leben konnten, wie wir
wollten. Heute hindert uns keiner mehr daran, und jetzt erst müssen
wir die Frage beantworten: Wie will ich denn nun leben? Wie lebt man
richtig? Die Freiheit ist viel anspruchsvoller als die Kritik an der
Unfreiheit."
Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion
Telefon: +49(0)541/310 207
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 20.09.2014 - 07:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1110761
Anzahl Zeichen: 3373
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Osnabrück
Kategorie:
Kunst und Kultur
Diese Pressemitteilung wurde bisher 201 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neue OZ: Interview Medien mit Schauspielerin Corinna Harfouch"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Neue Osnabrücker Zeitung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Alexander Klaws vermisst in der heutigen Gesellschaft eine gesunde Diskussionskultur. "Das Geheimnis einer funktionierenden Gesellschaft liegt darin, zu akzeptieren, dass wir unterschiedlich sind", sagt der Schauspieler, Sänger und Musicaldarsteller im Gespräch mit der "Neuen Osnabr
Paritätischer Wohlfahrtsverband warnt vor Bumerang-Effekt bei Pflege-Kürzungen / Hauptgeschäftsführer Rock befürchtet Umzüge in unerschwingliche Pflegeheime und mehr Sozialhilfeempfänger ...
Angesichts der aktuellen Spardebatte der Bundesregierung hat der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Joachim Rock, vor fatalen finanziellen und sozialen Rückschlägen durch Einschnitte im Pflegebereich gewarnt. "Was man ambulant kurzfristig spart, kommt mit höheren
Paritätischer Wohlfahrtsverband missbilligt geplante Wohngeld-Kürzung / Hauptgeschäftsführer Joachim Rock warnt vor steigender Armut und Existenznot bei mehr als einer Million Haushalten ...
Angesichts der laufenden Haushaltsverhandlungen warnt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Joachim Rock, eindringlich vor den geplanten Einschnitten bei der sozialen Sicherung. "Die Kürzungspläne der Bundesregierung machen uns wirklich große Sorgen. Vor allem, d
Weitere Mitteilungen von Neue Osnabrücker Zeitung
Kölner Stadt-Anzeiger: Schauspielerin Meike Droste findet Individualisten sind in der Großstadt besser aufgehoben ...
Schauspielerin Meike Droste glaubt, dass extrovertierte Menschen eher in Städten zuhause sind, aber ihre Freiheit dort nicht richtig nutzen: "In der Stadt sind schräge Vögel normal, auf dem Land fallen die sofort auf", sagte Droste, die im Eifel-Krimi "Mord mit Aussicht" d
"hart aber fair" am Montag, 22. September 2014, um 21.00 Uhr, live aus Berlin ...
Moderation: Frank Plasberg Das Thema: Auf Streife für Allah- vor welchem Islam müssen wir Angst haben? Die Gäste: Joachim Herrmann (CSU, Bayerischer Staatsminister des Innern) Volker Beck (innenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Lamya Kaddor (Islamw
Valentum Kommunikation verpackt Jahresbericht 2013 der Welterbekoordination Regensburg im passenden Design ...
Regensburg, 19. September 2014 – Von Projektsteuerung über Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit bis hin zur Wissenschaft: Die Aufgabenbereiche der Welterbekoordination Regensburg sind vielfältig. Einen Überblick über die Aktivitäten im vergangenen Jahr gibt der „Jahresbericht 2013 der Welte
16. Internationale Messe für zeitgenössische Kunst in Zürich, Oktober 2014 ...
Die 16. Kunstmesse ART INTERNATIONAL ZURICH präsentiert vom 17. bis 19. Oktober 2014 im Zürcher Kongresshaus internationale Gegenwartskunst. Die jährliche Kunstschau schafft einen interdisziplinären Ausstellungsraum sowie interaktiven Begegnungsort für Künstler, Galeristen, Sammler und Kunstli




