Lausitzer Rundschau: Zum Rücktritt der Grünen Antje Hermenau in Sachsen
Die Frau mit dem Kompass geht
ID: 1110876
nicht überrascht sein. Die 50-Jährige, die Sachsens Grüne
mitgegründet hat und drei Mal in den Landtag führte, gibt ihr Mandat
zurück. Alle sind sich einig, dass hier eine ganz Große geht. Kein
leichter Verlust für ein Parlament, dem ohnehin schon die prägnanten
Köpfe abhandenkommen. Der Konservative Steffen Flath hat sich
zurückgezogen, der FDP-Frontmann Holger Zastrow ist abgewählt, auch
ein Schreihals wie der Grüne Johannes Lichdi wird fehlen. Für die
anstehende schwarz-rote Koalition tut sich ein Graben an Ödnis auf.
Wer wird die Politik bestimmen? Da sitzen nun im Hohen Haus neben der
risikoscheuen CDU eine durch Koalitionsbande gezähmte SPD und eine
Linke, die alle Wählerschichten umarmen will. Die Populisten von der
AfD werden auch schon artiger. Und, ja, die Grünen, die sich weitere
fünf Jahre vor der Frage drücken werden, wohin sie eigentlich wollen.
Die Frau mit dem Kompass bei den Grünen ist von Bord gegangen. Der
Rest der Partei hat sich am Sonnabend auf dem Leipziger Parteitag
mehrheitlich dafür ausgesprochen, eigentlich nirgendwo hinzuwollen.
Antje Hermenau hat zehn Jahre lang auf eine Regierungsbeteiligung
hingearbeitet. Die ist nun da, doch die Partei zieht den Schwanz ein.
Die Gründe, eine Koalition mit der CDU erstmal sein zu lassen, mögen
einsehbar sein. Doch ein Eiertanz, wie ihn Sachsens Grüne seit dem
Wahltag hinlegen, ist einer Partei unwürdig, die eine feste Größe im
Freistaat und im Bund sein will, die aber schon in die
Identitätskrise sackt, wenn ihr einziger Ministerpräsident Winfried
Kretschmann eigenständig agiert. Die sich zwar mit der barocken,
machtbewussten Konservativen ihre Probleme hatte, aber nur mit ihr
überhaupt in den Landtag schlittern konnte. Jetzt haben die
zaudernden Linken das Sagen im Landesverband. Doch eine weitere linke
Partei braucht keiner.
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Datum: 21.09.2014 - 19:51 Uhr
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