Mediendialog Lebensmittel: Vielfalt, Transparenz und Qualität - gemeinsame Ansprüche von Medien und Lebensmitteln
ID: 1112799
signalisieren für eine bessere Interaktion - unter diesem Motto hat
der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft, der Bund für
Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL), zum Mediendialog
Lebensmittel geladen. Vertreter aus Medien, Wirtschaft und Politik
diskutierten im Gasometer Berlin über die Frage, was
Qualitätsjournalismus sei, was Wirtschaft und Medien voneinander
erwarten und wie man Brücken schlagen könne.
"Eigentlich haben wir dieselben Ansprüche und wollen das Gleiche",
stellte BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff in seiner
Begrüßungsrede fest. "Wir sind beide Vermittler: die Medien
vermitteln Informationen und die Lebensmittelbranche Nährstoffe.
Dabei zählen Vielfalt, Transparenz und Qualität." Doch genau über
diesen Qualitätsbegriff gibt es unter-schiedliche Meinungen. In der
ersten Podiumsdiskussion "Gesellschaftlicher Faktor
Qualitätsjournalismus" sagte Dr. Reinhard Göhner,
Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbände: "Im Journalismus gibt es zu wenig Kapazität, um
wirklich zu recherchieren. Diese Ausdünnung der Qualität hat zur
Folge, dass Tiefe verloren geht. Schnelligkeit geht vor
Gründlichkeit." Für Volker Stennei, Verlagsleiter beim Hellweger
Anzeiger und Vorsitzender des Trägervereins des Deutschen Presserats,
ist die Klage über den Qualitätsjournalismus eine Klage auf hohem
Niveau: "Über 320 Verlage in Deutschland kümmern sich um das
Pressewesen und die Pressefreiheit. Nirgendwo in Europa ist die
Medienlandschaft so vielfältig wie in Deutschland." Christoph
Schwennicke, Chefredakteur des Magazins Cicero, pflichtete Stennei
bei und ergänzte: "Unter existentiellem Druck wird man zu
Höchstleistungen angespornt. Mangel macht Kreativ." Zur Diskussion um
Konformitätsdruck erläuterte Schwennicke: "Wir können im Cicero das
ganze Spektrum an Meinungen abbilden - es gibt keinen
Konformitätsdruck." Dass viele Leitmedien häufig denselben Aufmacher
haben, erklärte Schwennicke mit teilweiser vorhandener
Einfallslosigkeit und Bequemlichkeit seiner Berufskollegen.
Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten kam mit
deutlichen Worten von Dr. Göhner: "Es gibt keinen
Wirtschaftsjournalismus mehr in den Öffentlich-Rechtlichen! Es gibt
nur noch Verbrauchermagazine. Aber: die Zuschauer und Zuhörer
bekommen, was sie wollen, denn Wirtschaftlichkeit interessiert nicht
mehr." Den politischen Blick auf diese Frage richtete Dr. Dietmar
Bartsch von der Bundestagsfraktion der LINKEN: "Die
Öffentlich-Rechtlichen müssen reformiert werden, aber sie sind
wichtig für die Demokratie." Für seinen Berufsstand erklärte er:
"Ohne die Nähe zum Journalismus ist man tot. Und am Ende zählt in der
Politik nur das Wahlergebnis - so, wie bei den Medien nur die Auflage
zählt."
Einig waren sich speziell die Medienvertreter bei der Frage nach
Strategien im Umgang mit dem Internet im Hinblick auf die
wirtschaftlichen Verhältnisse der Verlage.
Schwennicke meinte: "Die Verlage sind in der Vergangenheit naiv
mit der Frage Internet umgegangen. Alles kostenfrei anzubieten, war
ein Fehler. Leistung muss wieder bezahlt werden."
Das Resümee der ersten Diskussionsrunde lautete schließlich:
Wirtschaft und Medien müssen gemeinsam Qualität am Markt wieder
durchsetzen. Stennei brachte dabei den Kern des Problems auf den
Punkt: "Die Presse kann nicht die Welt retten. Wir haben ein
gesellschaftliches Problem, das sich auch in der Presse
widerspiegelt, aber nicht umgekehrt." Und Bartsch ergänzte: "Geringe
Auflage, geringe Wahlbeteiligung. Wir alle haben eine gemeinsame
Verantwortung."
"Journalisten arbeiten 24 Stunden rund um die Uhr - darauf müssen
sich Industrie und Wissenschaft mit ihrer Arbeit einstellen", mit
diesem Ratschlag eröffnete Nikolaus Blome, Mitglied der Chefredaktion
bei SPIEGEL und SPIEGEL Online, die zweite Podiumsdiskussion
"Zwischen Aufklärung und Skandalisierung - das Verhältnis zwischen
Wirtschaft und Medien". Eingeleitet wurde die Runde durch Prof. Dr.
Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, der
die These aufstellte: "Die Wirtschaft ist für die Medien eine
besondere Zumutung: inhaltlich wegen der Komplexität , normativ im
Lichte konfligierender Paradigmen, politisch durch den eigenen
Gestaltungsanspruch." Dr. Ursula Weidenfeld, Wirtschaftsjournalistin,
bestätigte diese These zumindest teilweise und erklärte den Trend zur
Reduzierung von komplexen Inhalten auf Personen oder Bilder am
Beispiel des Freihandelsabkommens: "Das Chlorhühnchen ist eine
Vignette, die auf das Thema Freihandelsabkommen geklebt wurde, so
dass der Sachverhalt auch für den Verbraucher handhabbar wird."
Merlin Koene, Communications Director bei Unilever, sieht das
Verhältnis von Wirtschaft und Medien, das Ulrike Hinrichs,
Geschäftsführerin des Bundesverbands deutscher
Kapitalbeteiligungsgesellschaften e. V., zuvor als "maximal gestört"
bezeichnet hatte, darin begründet, dass Foodbashing zum
Geschäftsmodell geworden sei: "Bei vielen Themen werden wir im
Gegensatz zu NGOs nicht gehört, weil es nicht in die Story passt."
Blome räumte daraufhin ein, dass Nichtregierungsorganisationen es in
der Tat geschafft hätten, sich zu einer moralischen Instanz zu
entwickeln, die selten hinterfragt würde: "Das Hinterfragen sollte
man zugegebener Maßen zweimal häufiger tun."
Das dritte Panel wurde durch Dr. Wolfram Weimer, Verleger und
Publizist, mit einer Keynote, u. a. zur Kraft der Bilder, eingeleitet
und der Aufforderung an die Lebensmittelbranche, selbst Medien zu
betreiben und aktiver zu kommunizieren. Seine Mitdiskutanten Gitta
Connemann, Vorsitzende des Bundestagsauschusses für Ernährung und
Landwirtschaft, Udo Pollmer, Lebensmittelchemiker, Patrick Kammerer,
Director Public Affairs und Communications Coca-Cola Deutschland und
Micha Heilmann von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
stimmten im voll zu. Pollmer: "Die Industrie muss selbstbewusst ihre
Positionen vertreten und sich nicht länger verstecken." Connemann
ergänzte: "Wenn ich Süßigkeiten herstelle, muss ich dazu stehen, dass
ich ein schmackhaftes Genussprodukt verkaufe und nicht so tun, als
sei es Brokkoli." Die Politikerin hatte auch eine Lösungsstrategie
parat: "Die Branche muss füreinander einstehen und gemeinsam
auftreten. Deshalb ist es wichtig, dass es einen Spitzenverband wie
den BLL gibt, der diese Koalition anführt."
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL)
Der BLL ist der Spitzenverband der deutschen
Lebensmittelwirtschaft. Ihm gehören ca. 500 Verbände und Unternehmen
der gesamten Lebensmittelkette - Industrie, Handel, Handwerk,
Landwirtschaft und angrenzende Gebiete - sowie zahlreiche
Einzelmitglieder an.
Für weitere Informationen:
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V. (BLL)
Christoph Minhoff
Hauptgeschäftsführer
Claire-Waldoff-Straße 7, 10117 Berlin
Tel.: +49 30 206143-135, Fax: +49 30 206143-235
E-Mail: cminhoff@bll.de
Pressekontakt:
BLL-Öffentlichkeitsarbeit
Manon Struck-Pacyna
Tel.: +49 30 206143-127, Fax: +49 30 206143-227
E-Mail: presse@bll.de, Internet: www.bll.de
Twitter: https://twitter.com/BLL_de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 24.09.2014 - 19:04 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1112799
Anzahl Zeichen: 8150
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Nahrung- und Genussmittel
Diese Pressemitteilung wurde bisher 247 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Mediendialog Lebensmittel: Vielfalt, Transparenz und Qualität - gemeinsame Ansprüche von Medien und Lebensmitteln"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
BLL - Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Ist die Digitalisierung die treibende Kraft für die Polarisierung der Gesellschaft? Michael Kellner, Bundesgeschäftsführer von Bündnis 90/Die Grünen, und Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales, haben im Gespräch mit Moderator Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Bunds
Nahrungsergänzung: Magnesium und Vitamin C am meisten gekauft (FOTO) ...
Wer seine Ernährung mit Vitaminen oder Mineralstoffen ergänzt, greift dabei besonders gerne zu Magnesium und Vitamin C. Das belegen aktuelle Zahlen einer Marktanalyse von Insight Health, die im Auftrag des Arbeitskreises Nahrungsergänzungsmittel des Bunds für Lebensmittelrecht und Lebensm
Rahmenvereinbarung Reduktionsstrategie - Lebensmittelwirtschaft und Politik ziehen an einem Strang (FOTO) ...
Der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft, Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), und die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, haben gemeinsam mit weiteren Fachverbänden eine Rahmenvereinbarung zur Reduktions- und Innovationss
Weitere Mitteilungen von BLL - Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V.
"Entdecke das Gute": Arla positioniert sich mit neuer Endverbraucherkampagne und verlost 5.000 Entdeckerpakete (FOTO) ...
"Das Gute zu entdecken kann so einfach sein. Zusammen mit den Kindern ein Glas frische Milch genießen. Warme Sonnenstrahlen auf der Haut spüren. Morgens ein leckeres Käsebrot genießen. Einen Hund beobachten, der fröhlich mit dem Schwanz wedelt. Es ist immer da. Ganz natürlich. Es s
Ist das noch gut oder muss das weg? / Bookatable-Umfrage: Unsicherheit beim Mindesthaltbarkeitsdatum - zu viele Lebensmittel landen im Müll (FOTO) ...
Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf Tütensuppe, Fischkonserve & Co. soll helfen, möglicherweise verdorbene Lebensmittel rechtzeitig auszusortieren. Aber wie genau nehmen wir es damit und werfen wir wirklich alles rigoros in die Mülltonne, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten
Coca-Cola Deutschland stellt neuen Nachhaltigkeitsbericht vor: Das Unternehmen und seine Marken engagieren sich für Gesellschaft und Umwelt ...
Coca-Cola Deutschland stellt seinen neuen Nachhaltigkeitsbericht vor. "Nachhaltigkeit ist bei uns gelebte Praxis", erklärt Uwe Kleinert, Leiter Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung bei Coca-Cola Deutschland. "Wir haben umfassende Nachhaltigkeitsziele: von unserer Produktv
Gemeinsam vegetarisch genießen - einfach lecker! (FOTO) ...
Die vegetarische Küche ist seit Jahren ein großer Trend. Was früher noch als Notlösung galt, kommt heute auch mal anstelle von Fisch und Fleisch auf den Tisch. Ganz nach dem Motto "Vegetarisch ja, Verzicht nein" lassen sich mit Gemüse und Co. köstliche Gerichte zubereiten, die




