Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar: Misshandelte Flüchtlinge in NRW
Schande
Florian Pfitzner, Düsseldorf
ID: 1114723
Algerien und Marokko mit der Vorstellung, in Deutschland
rechtsstaatlichen Schutz und menschenwürdigen Umgang zu finden.
Mutmaßlich wurden sie in ihren Erwartungen bitter enttäuscht - durch
eine Horde dumpfer Sadisten. Im arabischen Raum hat die
Bundesrepublik besonders unter den einfachen Menschen einen
hervorragenden Ruf. Häufig fällt der Blick auf die außenpolitische
Ära unter Kanzler Gerhard Schröder: Es war nicht nur die Absage an
eine militärische Beteiligung Deutschlands im Irakkrieg; es war auch
der selbstbewusste Ton gegenüber den USA und ihrer sogenannten
Koalition der Willigen, der aufhorchen ließ. Jetzt hat Deutschland
sein eigenes Abu Ghraib - mitten in Nordrhein-Westfalen. Und die Zahl
der misshandelten Flüchtlinge weitet sich aus: Private Sheriffs
sollen jetzt auch in Bad Berleburg einen Heimbewohner schwer verletzt
haben. Für die Einrichtungen in Burbach und Essen ist die Firma
European Homecare zuständig, die den Sicherheitsdienst nach Angaben
der Behörden dem Nürnberger Unternehmen SKI übertragen hat. SKI
wiederum soll weitere Subunternehmer engagiert haben. Recht und
Menschenwürde wurden dem Anschein nach also durch eine Kette von
Auslagerungen zermahlen. Dabei hat die Bezirksregierung Arnsberg in
ihrer Kontrollpflicht komplett versagt. Angesichts der Zurückhaltung
des Ministeriums sieht es so aus, als hätten noch einige andere
Aufseher ihre Freude daran gehabt, wehrlose Menschen zu erniedrigen.
Es zeigt sich unerträglich deutlich, wie übel es um die nicht selten
eklatant überfüllten Asylbewerberheime bestellt ist. Es fehlt in NRW
an geeigneten Flüchtlingsunterkünften und vor allem an engagierten
Menschen mit Empathie. Es reicht nicht, einfach irgendwelche
muskelbepackten Wachleute vor die Tür zu stellen. Politisch
verantwortlich für diesen zum Himmel schreienden Skandal ist die
rot-grüne Landesregierung. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft schämt
sich zu Recht für die Zustände in ihrem Land. In Düsseldorf sprechen
viele von einer "Schande für Nordrhein-Westfalen". Dem ist nichts
hinzuzufügen.
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Datum: 29.09.2014 - 20:45 Uhr
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