Südwest Presse: KOMMENTAR · TÜRKEI
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Als der kecke US-Vizepräsident Jo Biden jüngst auf die regionalen
Unterstützer der Dschihadisten des "Islamischen Kalifates" zu
sprechen kam und dabei neben den reichen Golfstaaten auch die Türkei
beim Namen nannte, war die Empörung in Ankara groß. Der frisch
gewählte Präsident Erdogan schäumte so stark, dass sich Biden
schließlich zu einer Entschuldigung durchrang. Dies geschah weniger
aus besserer Einsicht, als aus Rücksichten auf die fragile
Anti-IS-Koalition vor Ort. Die USA, die 90 Prozent der Einsätze
fliegen, brauchen die türkischen Luftwaffenbasen. Denn weder die
Türkei noch die arabischen Staaten haben die Absicht, sich mit den
blutrünstigen IS-Horden ernsthaft und mit Bodentruppen anzulegen. So
ließ die türkische Armeeführung zwar in Sichtweite der umkämpften
Grenzstadt Kobane Panzer auffahren. Auf Seiten der Kurden eingreifen
aber werden die türkischen Einheiten wohl nicht. Schon in den
vergangenen Jahren hatte sich Ankara bei Massakern von arabischen
Extremisten an syrischen Kurden stets abseits gehalten, den
Gotteskriegern teilweise sogar Rückzug, Nachschub und medizinische
Versorgung ermöglicht. Erdogan ist überzeugt, wenn er den Kurden auf
syrischem Boden gegen IS beisteht, wird er deren Autonomiestreben
beflügeln und gleichzeitig schwere Terrorakte gegen die eigene
Bevölkerung riskieren. Und so kommt Ankara das Drama von Kobane ganz
Recht.
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Südwest Presse
Ulrike Sosalla
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Datum: 07.10.2014 - 19:45 Uhr
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