Westfalenpost: Dennoch eine Erfolgsgeschichte
Von Lorenz Redicker
ID: 1121563
Geld. Jedenfalls nicht dem Investor. Aber der Gesellschaft hilft er.
Im Straßenverkehr sterben zehnmal mehr Menschen als durch Brände,
selbst der Tod beim Treppensteigen ist in Deutschland
wahrscheinlicher als der Feuertod. Das darf, das muss man als
Erfolgsgeschichte sehen. An der auch mutige Behörden mitwirken. Denn
sie entscheiden, ob ein Großflughafen oder ein Einkaufszentrum den
Brandschutzanforderungen entspricht. Eine (Teil-)Ablehnung wie in
Hagen kostet Investoren viel Geld, und gerade bei der Stadt Hagen
geht es natürlich auch ums sowieso schon arg angekratzte Prestige.
Dass die Verantwortlichen sich dennoch für den Nothalt entschieden
haben: Hut ab. Einfach gemacht hat man sich die Entscheidung
sicherlich nicht.
Ist das nun wieder typisch für Deutschland, dass ein Großprojekt
platzt? Gemach, in Hagen ist die Eröffnung des neuen Einkaufszentrums
nur verschoben worden. Stand jetzt geht es dabei nicht um Jahre, wie
beim Flughafen Berlin-Brandenburg, sondern wohl nur um Tage,
vielleicht Wochen. Hätte ein weitsichtigerer Investor den Zeitplan
weniger eng gestrickt - schon wäre aus dem Fiasko vielleicht eine
Erfolgsgeschichte geworden.
Richtig aber ist: Es gibt immer wieder Probleme mit Großprojekten.
Das liegt bei öffentlichen Projekten nicht selten am Vergaberecht,
dass den billigsten Anbieter bevorzugt. Billig ist aber selten gut,
der anfängliche Preisvorteil zeitigt meist negative Folgen, die der
Steuerzahler dann teuer ausbaden muss. Hier wäre das europäische
Recht dringend anzupassen. Privatinvestoren hingegen scheitern in
der Regel - und wie jetzt in Hagen - am allzu engen Zeithorizont (und
damit auch am Geld). Gutes braucht eben manchmal Zeit.
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Datum: 14.10.2014 - 21:28 Uhr
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