Weser-Kurier: Zum Belgrader Fußball-Krawall schreibt Norbert Mappes-Niediek:
ID: 1122228
Belgrad durch serbische wie albanische Websites und Chaträume surfte,
konnte glauben, der Krieg sei zurück. Hat Albanien im Luftkrieg den
Sieg über den Erbfeind davongetragen? "Sie haben alle Eingänge zum
Stadion geschlossen", schrieb ein Albaner über das Spiel, von dem
albanische Fans aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen waren, "aber
das Wichtigste haben sie vergessen: Die Adler kommen aus der Luft" -
eine Anspielung auf das Flugobjekt, das die serbischen Fans in Rage
brachte, und auf das Wappentier der Albaner. Serbiens Boulevardmedien
kolportierten ungeprüft die wildesten Gerüchte - etwa, dass der
Bruder des albanischen Premiers den provokanten Lenkdrachen über dem
Stadion persönlich gesteuert habe. Die gute Nachricht: Der Krieg ist
nicht zurück. Anders als der 13. Mai 1990, als in Zagreb eine
Schlacht zwischen kroatischen und serbischen Fans die Gewalt in den
politischen Konflikt der jugoslawischen Nationen trug, fällt der 14.
Oktober 2014 in eine Zeit der Versöhnung. Seit der Grundsatzeinigung
über das Kosovo sind Serben und Albaner so gut miteinander wie seit
gut 30 Jahren nicht mehr. Nächste Woche kommt sogar der albanische
Premierminister nach Belgrad. Die schlechte Nachricht ist, dass die
Versöhnung der Regierungen in beiden Völkern offenbar noch keinen
großen Widerhall gefunden hat. Zwar waren es tatsächlich bloß
Hooligans, die Dienstagabend das Feld stürmten und Albaner verhauen
wollten, Gestalten, wie es sie auch in England oder Deutschland zur
Genüge gibt. Aber auch sonst vernünftige Serben und Albaner ließen
sich von der Hysterie allzu bereitwillig anstecken. Seriöse Medien in
Belgrad verschwiegen die Attacke der Serben. Und im albanischen
Fernsehen grinsten Moderatoren und Studiogäste einträchtig über den
albernen Coup mit der großalbanischen Fahne. Auch das wäre ein
Nachspiel wert.
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Datum: 15.10.2014 - 19:41 Uhr
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