BERLINER MORGENPOST: Ramelow darf sich nicht zu sicher sein/ Ein Leitartikel von Jochim Stoltenberg
ID: 1125220
Tagen, da sich der Fall der Mauer zum 25. Mal jährt, wieder und
wieder angemahnt. Wie Hohn wirkt auf diese Reden, in denen stets auch
der letztlich siegreiche Mut der Bürger gegen die sie unterdrückende
Staatspartei gewürdigt wird, was sich jetzt in Thüringen abzeichnet.
Nachdem nun auch die Grünen für Koalitionsverhandlungen mit der
Linkspartei votiert haben, wird realer, dass die Linkspartei, die
Nachfolgepartei der SED, erstmals wieder einen Regierungschef stellt.
Von Gnaden einer einst von den Kommunisten verfolgten SPD und von den
Grünen, deren Wurzeln in der Bürgerrechtsbewegung gegen die
SED-Diktatur liegen.
Gewiss, Bodo Ramelow, ein West-Deutscher mit
Gewerkschaftshintergrund, dessen Hoffnungen auf den Einzug in die
Erfurter Staatskanzlei jetzt sehr berechtigt sind, hat keine
DDR-Vergangenheit. Aber angesichts der Ein-Stimmen-Mehrheit für
Rot-Rot-Grün ist er auf mindestens vier Abgeordnete aus seiner
Fraktion angewiesen, die einst für die Stasi gearbeitet haben und
noch immer nicht recht einsehen wollen, dass die DDR ein
Unrechtsstaat war. Von der Basis der einstigen Partei Ulbrichts und
Honeckers ganz zu schweigen. Einen solchen "Neuanfang" in einem Lande
mitzumachen, das wirtschaftlich aufgeblüht ist, zeugt nicht davon,
dass SPD und Grüne dort aus der Geschichte und aus der
Bürgerrevolution vor 25 Jahren viel gelernt haben. (...)
Der ganze Leitartikel im Internet: www.morgenpost.de/133558386
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Datum: 22.10.2014 - 20:04 Uhr
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