Aachener Zeitung: "Kommentar": Trittbrett Salafismus / Den Hooligans in Köln ging es um etwas anderes / Amien Idries
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von Köln nicht so traurig wären. Da stilisiert sich ausgerechnet ein
rechtsextremer Mob zum Beschützer gegen den islamistischen Salafismus
und die Terrrormiliz Islamischer Staat (IS). An der rechtsextremen
Grundausrichtung der Veranstaltung "Hooligans gegen Salafismus" kann
es angesichts von Flaggen des "vierten Reichs", Hitlergrüßen und
Sprechchören wie "Hier marschiert der nationale Widerstand" keinen
Zweifel geben, und so protestierten in Köln Extremisten gegen
Extremisten. Zumindest auf den ersten Blick.
Wenn man aber einen zweiten Blick wagt, stellt sich heraus, dass
das, was am Sonntag in Köln passiert ist, keine Demonstration gegen
Salafismus war, sondern ein breit angelegter Protest von Islam- und
Ausländerfeinden jeglicher Couleur, die das Feindbild Salafimus zur
Mobilisierung für ihre Sache genutzt haben. Zu den rechtsextremen
Hooligans - wie etwa der Borussenfront aus Dortmund um die Szenegröße
SS-Siggi - gesellten sich politisch weniger aktive Hools, deren
Weltbild man als "rechtsoffen" bezeichnen muss. Hinzu kamen
rechtsextreme und islamophobe Parteien wie die NPD, Die Rechte,
ProNRW und Die Freiheit, die bereits die bloße Existenz des Islams
als Gefährdung Deutschlands betrachten.
Hier zeigt sich auch das Grundproblem in der Auseinandersetzung um
IS und Islamisten. In aufgeregten und konfliktreichen Zeiten wie den
unseren fällt das Differenzieren schwer. Vor dem Hintergrund
exekutierender IS-Kämpfer in Nordsyrien und dem Nordirak gerät der
Islam zunehmend in Verdacht, per se mörderisch zu sein und allen
anderen Religionen verachtend gegenüberzustehen. Je komplizierter die
Gemengelage aus Kurden, Jesiden, Sunniten und Schiiten im Nahen Osten
und die Auseinandersetzungen von Tschetschenen, Salafisten und Kurden
in deutschen Innenstädten, desto größer das Bedürfnis nach einfachen
Wahrheiten. Deshalb verfängt die Losung von der Islamisierung
Deutschlands und Europas, der man sich mutig entgegenstellen müsse,
immer mehr. Übrigens nicht nur bei gewaltbereiten Hooligans.
Wer trotz der aufgeheizten Stimmung zur Differenzierung bereit
ist, muss zunächst den Unterschied zwischen Islam und Islamismus
akzeptieren. Schätzungen zufolge leben etwa vier Millionen Muslime in
Deutschland. Die Zahl der Salafisten - Anhänger einer
ultrakonservativen Strömung im Islam - gibt der Verfassungsschutz
dieser Tage mit 6300 an, von denen wiederum nur ein kleiner
Prozentsatz gewaltbereit ist. Auch wenn die Salafisten-Zahl wohl
steigt, muss man doch die Relation zur großen Mehrheit der Muslime
sehen, die die freiheitlich demokratische Grundordnung dieses Landes
anerkennen und schätzen.
Und noch in einem zweiten Punkt tut Differenzierung Not. Nämlich
mit Blick auf die Fußballfanszene in Deutschland. Auch die droht nun
aufgrund des Hooligan-Comebacks in Gänze diskreditiert zu werden.
Neben rechtsextremen Strömungen in den Stadien der Republik, gibt es
nämlich auch Ultragruppierungen, die sich als gewaltfrei und
antirassistisch verstehen. Dabei ist die Gemengelage durchaus
kompliziert, was sich daran erkennen lässt, dass manche
Fußballvereine nicht willens oder in der Lage sind, die Spreu vom
Weizen zu trennen. Der MSV Duisburg, Eintracht Braunschweig oder auch
die Alemannia aus Aachen haben es in der Vergangenheit versäumt,
gewaltlose Ultragruppierungen zu unterstützen und stattdessen
rechtsextreme Gruppen toleriert.
Es gilt also, zu differenzieren und nicht alle über einen Kamm zu
scheren. Nur so wird man als liberale Gesellschaft den Extremisten
geschlossen entgegentreten können. Egal, ob sie aus den
Fußballstadien kommen oder die Einführung einer Scharia fordern.
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Datum: 27.10.2014 - 18:01 Uhr
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