Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Todesschütze im Fall Brown freigesprochen Die Gräben wer

Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Todesschütze im Fall Brown freigesprochen
Die Gräben werden tiefer
Dirk Hautkapp, Ferguson

ID: 1140228
(ots) - Die zynischste Reality-Show in den USA ist
vorbei. Das von elektronischen Medien fast wie die Mondlandung
inszenierte "Vor-Urteil" der Geschworenenjury im Fall Michael Brown
ist ausgegangen wie befürchtet. Der weiße Polizist, der bei einer
undurchsichtigen Konfrontation zwölfmal auf einen unbewaffneten
Schwarzen feuerte, ist von jeder gerichtsfesten Schuld freigesprochen
worden. Unter Umgehung eines geordneten Prozesses. Man muss kein
Afroamerikaner sein, um Entstehung, Verlauf, Ausgang und Nachwirkung
des missratenen juristischen Vorspiels als Beleg dafür zu sehen, was
das Land zerreißt: 50 Jahre nach Ende der Rassentrennung zeigt noch
immer ein struktureller Rassismus sein hässliches Gesicht. Sämtliche
Staatsorgane haben im Fall Brown versagt. Angefangen von den vier
Stunden, die der Leichnam auf der Straße lag, bis zu der von
Geheimniskrämerei geprägten Wahrheitsfindung, die ein feiger
Bezirksstaatsanwalt Laien übertrug, anstatt selbst Verantwortung zu
übernehmen. Kein Missverständnis: Officer Darren Wilson mag aus
Notwehr geschossen haben. Ihn unschuldig zu sprechen am vermeidbaren
Tod Michael Browns hätte aber Aufgabe eines offenen
Gerichtsverfahrens sein müssen. Fergusons gesellschaftspolitisches
Mikroklima ließ eine Rechtsfindung im hermetisch abgeriegelten und in
gewisser Weise rechtsfreien Raum zu. In Großstädten wie New York oder
San Francisco wäre das wohl nicht passiert. Der Freispruch (zweiter
Klasse) für Wilson steht für ein krankes Rechtssystem, das Schwarze
diskriminiert. Afroamerikaner werden überproportional oft bei
Polizeikontrollen verdachtsunabhängig oder wegen Nichtigkeiten
schikaniert, mit Strafzetteln belegt und ins Gefängnis gesteckt, weil
sie zu arm sind, um Bußgelder zu bezahlen. Gegen das Späterbe von
Sklaverei und Rassentrennung hat Präsident Obama, der erste Schwarze


im Weißen Haus, nichts ausrichten können. Man wünscht Amerika
Innehalten und Besinnung. Sonst ist es eine Frage der Zeit, bis der
nächste Michael Brown einen sinnlosen Tod stirbt. Die Krawalle und
Plünderungen, die nach der Entscheidung über Ferguson kamen, liegen
wie ein Fels auf dem Weg der Annäherung. Die Gräben zwischen
Schwarzen und Weißen werden tiefer.



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Datum: 25.11.2014 - 20:30 Uhr
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