Zurück in den Alltag mittels neuropsychologischer Therapie
ID: 1148329
Leben, wenn durch Schlaganfall, Hirntumor oder
Schädel-Hirn-Verletzungen das Gehirn geschädigt und die geistige
Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird: Die Heilung ist das eine, die
oft mühevolle Rückkehr in den Alltag das andere. Dabei dürfen
Klienten nicht überlastet und sollten dennoch gefördert werden.
Diesen schmalen Grat geht die neuropsychologische Therapie.
Wichtigste Ziele der Behandlung sind Ausgeglichenheit und
Selbstständigkeit der Patienten.
Anwendungsgebiete der wissenschaftlich begründeten
neuropsychologischen Therapie sind Störungen beim Lernen und Planen,
Sprechen und Bewegen. Auch Wahrnehmungsstörungen von Räumen oder beim
Sehen sind therapierbar. Mit der Erkrankung ist oft auch das
emotionale Erleben verändert oder beeinträchtigt. Reizbarkeit,
depressive Verstimmungen oder Ängste sind häufige
Begleiterscheinungen. Auch Verhaltensstörungen wie eine gesteigerte
Unruhe, Antriebslosigkeit oder mangelnde Selbstkontrolle können die
Folge sein. Darüber hinaus ist es wichtig, vom Therapeuten
Unterstützung hinsichtlich Akzeptanz und Verarbeitung der Krankheit
sowie bei den manchmal entstehenden Problemen in zwischenmenschlichen
Beziehungen zu erhalten.
Ein Beispiel aus dem Leben
Marita Neuner (Name geändert) hat nach einem Unfall ein schweres
Schädel-Hirn-Trauma. Sie kann sich die einfachsten Dinge nicht merken
und auf eine Aufgabe nicht länger konzentrieren. Fehler sind die
Folge. Natürlich ist sie gereizter, schneller frustriert und schwankt
in ihren Gefühlszuständen häufiger. In der neuropsychologischen
Therapie lernt Frau Neuner, mithilfe eines Arbeitsplanes
Überlastungen ihres Gedächtnisses zu vermeiden und ihren Alltag
besser zu strukturieren. Sowohl sie als auch ihre Angehörigen und
Arbeitskollegen erhalten Informationen über das Störungsbild und
lernen, wie sie mit den Defiziten von Frau Neuner besser umgehen
können. Am Ende der Therapie ist sie im Beruf und im Alltag durchaus
selbstständiger und emotional deutlich ausgeglichener. Dabei setzt
sie weiterhin externe Gedächtnishilfen ein, um im Alltag die
Übersicht zu behalten und ihre verschiedenen Aufgaben zu bewältigen.
Was ist klinische Neuropsychologie?
Die sogenannte klinische Neuropsychologie beschäftigt sich mit den
Auswirkungen einer Hirnschädigung oder eine Schädigung des zentralen
Nervensystems auf kognitive (gedankliche) und psychische Fähigkeiten.
Darüber hinaus sucht sie den besten Weg zur Erkennung und gezielten
Behandlung der Auswirkungen einer organischen Hirnschädigung. Große
deutsche Kliniken veröffentlichen Zahlen zu den Patienten: je nach
Klinikum sind es jährlich etwa 2.000 bis 5.000 Patienten, die
klinische Neuropsychologie erhielten. Diese Therapieform ist also
keine Seltenheit, sondern gehört zu den Alltagsangeboten in der
deutschen Gesundheitslandschaft.
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Datum: 12.12.2014 - 15:32 Uhr
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