Pforzheimer Zeitung: Der baden-württembergische CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf und der Umgang mit der AfD / Ein Kommentar von Magnus Schlecht
ID: 1148455
Hoffnungsträger der Südwest-CDU, hat der Partei innerhalb weniger
Tage neues Leben eingehaucht. Im Stile eines Machers, der nicht lange
fackelt und die Gunst der Stunde zu nutzen weiß, hat er seinen
Machtanspruch in der CDU erstaunlich schnell zementiert. Den
Chefposten in der Landtagsfraktion hat er schon sicher, der
Landesvorsitz ist nur noch Formsache. Der Spitzenkandidat ist
zweifelsohne der neue starke Mann in der Landes-CDU - einer, den die
Partei nach dem Wahldebakel 2011 vermisst und gebraucht hat.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann dürfte daher trotz seiner
phänomenalen Beliebtheitswerte gewarnt sein. Es ist noch eine Weile
hin, aber schon jetzt steht fest: Die Landtagswahl 2016 wird wohl an
Spannung kaum zu überbieten sein. Grün-Rot, Rot-Grün, Schwarz-Rot,
selbst die Neuauflage von Schwarz-Gelb ist nicht ausgeschlossen,
genauso wenig wie Schwarz-Grün - fast alles scheint angesichts der
aktuellen Parteienlandschaft in Baden-Württemberg möglich. Und was
ist mit Schwarz-Blau? Eine Koalition zwischen CDU und der AfD? Für
Wolf kommt dies Stand heute nicht in Betracht. Ob dies auch noch
gilt, wenn mit den Eurokritikern in 15 Monaten am Abend der
Landtagswahl tatsächlich ein Regierungswechsel möglich wäre, sei
dahingestellt. Viel wichtiger ist jedoch, wie sich die Landes-CDU in
den kommenden Monaten gegenüber der AfD positioniert. Für die
Christdemokraten ist die neue rechtskonservative Kraft natürlich eine
Bedrohung. Sie bietet vor allem jenen CDU-Wählern eine
parteipolitische Heimat, die sich schwertun mit dem
Modernisierungskurs der Partei. Das ist das große Dilemma der
Christdemokraten. Einerseits sind sie gezwungen, sich neuen
Wählerschichten insbesondere in den Großstädten zu öffnen,
andererseits strapazieren sie damit die Prinzipien ihrer
wertkonservativen Stammklientel. Für die CDU ist die AfD das, was für
die SPD einst die Grünen und heute die Linke ist - eine Partei, die
im ureigenen Revier zur Konkurrenz wird. Wolf tut dennoch gut daran,
dass er die AfD nicht dämonisiert und stattdessen die politische
Auseinandersetzung sucht. Die Alternative für Deutschland
transportiert die Ängste aus der Mitte der Gesellschaft. Die Partei
zu ignorieren, würde auch bedeuten, die Sorgen jener Menschen zu
negieren, die sich von der Politik zum Beispiel in der
Flüchtlingsfrage im Stich gelassen fühlen. Um Ministerpräsident von
Baden-Württemberg zu werden, bleibt dem früheren Tuttlinger Landrat
gar nichts anderes übrig, als sich auch um diese potenziellen
CDU-Wähler zu kümmern und ihnen ihre Ängste zu nehmen, ohne dabei in
die rechtspopulistische Falle à la CSU zu treten. Wenn ihm das
gelingt, muss Grün-Rot vor Wolf tatsächlich zittern.
Pressekontakt:
Magnus Schlecht/Pforzheimer Zeitung/www.pz-news.de
magnus.schlecht@pz-news.de 07231/933304
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Datum: 12.12.2014 - 19:31 Uhr
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