Aachener Zeitung: Kommentar
Anschlag auf uns
Der Terrorakt und die "abstrakt hohe Gefährdung"
Bernd Mathieu
ID: 1157492
manchmal sogar derb. Das alles ist Ansichtssache, vor allem jedoch
das gute Recht von Satire, mag sie noch so geschmacklos sein. Und:
Das zeichnet die Qualität einer Demokratie mit ihrer Presse- und
Meinungsfreiheit aus. Diese Freizügigkeit unterscheidet unsere
Gesellschaft fundamental von anderen, die selbstständig denkende
Menschen drangsalieren. Der Terroranschlag auf das islamkritische
Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo" stellt einen perfiden Angriff
auf uns, auf unsere Freiheit dar, die sich besonders durch die
Freiheit der Andersdenkenden auszeichnet. Das Massaker ist ein
gezielter Anschlag auf die Unabhängigkeit von Religion, Meinung,
Satire und Kunst - auf wesentliche Grundwerte unserer alltäglichen
Zivilisation. Der französische Staatspräsident François Hollande
spricht zutreffend von Barbarei. Die Muslime in Frankreich haben
ebenso wie der Zentralrat der Muslime in Deutschland und mehrere
muslimische Staaten den Anschlag scharf verurteilt. Mehr können sie
momentan kaum tun. Ein solches Blutbad dürfte eigentlich kein Anlass
sein, innenpolitische Debatten zu befeuern. Aber die Gefahr besteht,
dass die ohnehin schon undifferenzierte Haltung gegenüber dem Islam
durch diese wahnsinnige Tat religiöser Fanatiker, durch diesen
Gesinnungsterrorismus zusätzlichen Rückenwind bekommt. Verhindern
kann das niemand. Die eindimensionalen Schuldzuweisungen werden
leider weiteren Auftrieb erhalten. Der Terrorakt macht Angst, er löst
Reaktionen in ganz Europa aus. Einige Länder, zum Beispiel Italien,
verschärften sofort die Sicherheitsvorkehrungen für Medien. Die
Deutsche Polizeigewerkschaft hält einen Anschlag in Deutschland für
eine "Frage der Zeit". Der Verfassungsschutz spricht von einer
"abstrakt hohen Gefährdung". Was immer das heißen mag: Tatsache ist,
dass die Zahl der politisch motivierten Kriminalität mit
islamistischem oder fundamentalistischem Hintergrund in Deutschland
stark gestiegen ist. Paris zeigt wieder einmal: Eine Garantie für
absolute Sicherheit gibt es nicht. Der brutale Angriff auf die
Pressefreiheit, der Hass und die Verblendung, die von keinem Gott
gedeckt werden, brauchen als klare Antwort eine rationale,
vernünftige, gut überlegte Strategie der demokratischen Staaten und
keinen übereifrigen Aktionismus.
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Aachener Zeitung
Redaktion Aachener Zeitung
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Datum: 07.01.2015 - 19:03 Uhr
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