Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
20 Jahre Pflegeversicherung
Reformen sind überfällig
MATTHIAS BUNGEROTH
ID: 1159667
Sozialreformen der deutschen Nachkriegszeit. Das System hat sich
grundsätzlich bewährt, sagen die meisten Experten. Doch während sich
die Anforderungen an dieses System, etwa aufgrund demografischer
Entwicklungen, zunehmend dynamisch weiterentwickelt haben, ist das
Instrument der Pflegeversicherung allzu statisch geblieben. Das muss
sich dringend ändern. Reformen sind längst überfällig. Das hat nun
auch die Politik erkannt und bekundet den Willen, an den
eingefahrenen Strukturen dieses Sicherungssystems grundlegende
Änderungen vorzunehmen. Die Akteure sollten hier unbedingt Kurs
halten. Das zeigen nicht nur die stark steigenden Zahlen von
Pflegebedürftigen, die zusätzlich auf Sozialhilfe angewiesen sind,
weil sie die Pflegekosten allein nicht mehr schultern können. Bereits
seit dem Jahr 2008 arbeiten Wissenschaftler der Universität Bielefeld
intensiv an einer Neuausrichtung des Pflegebegriffs, damit zum
Beispiel auch an Demenz erkrankte Menschen von dem System in
angemessener Weise erfasst und unterstützt werden. All das wird
letztendlich die Gemeinschaft der Versicherten und die Gesellschaft
insgesamt viel Geld kosten. Doch dies darf kein entscheidendes
Kriterium sein, den Reformbedarf zu leugnen. Die Alternative wäre in
letzter Konsequenz die zunehmende Verelendung einer ganzen
Generation, die mit ihrer Lebensleistung dazu beigetragen hat, die
Errungenschaften des Sozialwesens überhaupt erst möglich zu machen.
Die Pflege mitten in der Gesellschaft zu verankern und so eine echte
gesellschaftliche Wende herbeizuführen, wie es der Pflegebeauftragte
der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), fordert, dürfte keinen
geringeren Kraftakt erfordern, als er nötig war, um die
Pflegeversicherung überhaupt erst einzuführen. Immerhin ist die
Debatte parteiübergreifend mit großer Ernsthaftigkeit im Gange. Sie
muss jetzt aber in harte Beschlüsse umgemünzt werden.
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Datum: 13.01.2015 - 20:30 Uhr
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