Westfalenpost: Mehrwertsteuer auf Fleisch

Westfalenpost: Mehrwertsteuer auf Fleisch

ID: 1160234
(ots) -

Fleisch ist ein Stück Lebenskraft, lautet ein
alter, offenbar viel zu erfolgreicher Werbeslogan. Dabei ist längst
klar, dass viel zu viel Fleisch dem Leben auch Kraft rauben kann.
Denn die Deutschen essen deutlich mehr davon, als gut tut. 60
Kilogramm sind es pro Jahr der Statistik zufolge, pro Woche also mehr
als ein Kilogramm. Höchstens 600 Gramm empfiehlt die Deutsche
Gesellschaft für Ernährung. Ein Grund für den hohen Verbrauch:
Fleisch ist auf den ersten Blick zu billig. Dass sie der hohe Konsum
am Ende viel teurer kommt, dass sie bei den Gesundheitskosten
draufzahlen und Umweltschäden durch die hohe Nitratbelastung auch ihr
Portemonnaie belasten, machen sich viele Verbraucher nicht bewusst,
sonst würde ihnen der billige Bissen wohl im Halse stecken bleiben.
Insofern leuchtet ein, dass der niedrige Mehrwertsteuersatz von 7
Prozent für Fleischprodukte nicht mehr gerechtfertigt ist.

Ob sich mit einer Erhöhung dieses Satzes allein allerdings
tatsächlich eine Verhaltensänderung herbeiführen lässt? Haben immer
höhere Steuern auf Zigaretten wirklich dazu geführt, dass weniger
geraucht wird? Und führt ein höherer Satz am Ende zu Verbesserungen
in der Tierhaltung? Zu einem besseren Verbraucherschutz? Oder werden
nicht eher mehr noch billiger produzierte Produkte aus dem Ausland
eingeführt, vielleicht sogar wieder dem Betrug mit Pferde- und
Gammelfleisch Vorschub geleistet?

Wer Verhalten ändern
will, muss vor allem auf Aufklärung setzen, auf gelungene
Informationskampagnen - statt auf einen staatlich vorgeschriebenen
Veggie-Tag. Wie nachhaltig eine solche Arbeit wirken kann, beweist
der alte Werbeslogan von der Lebenskraft, der noch immer nachhallt.
Leider.





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Datum: 14.01.2015 - 20:52 Uhr
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