Rheinische Post: Kommentar /
Karneval muss sorglos, aber auch politisch sein
= Von Martin Kessler
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mit Kritik und Karikatur geht. Hat er sich einmal zu einer Haltung
entschlossen, sollte er auch dabei bleiben. Schließlich ermöglicht er
so seinem Publikum, mit dem Kauf des Mediums oder dem Besuch des
Rosenmontagszugs zu zeigen, dass es diese Meinungsäußerung
ausdrücklich wünscht. Und nicht wenige kommen zu den Zügen in Köln,
Düsseldorf und Mainz, um exakt die respektlosen Mottowagen zu sehen.
Die Kölner haben der Sicherheit den Vorrang gegeben. Sie wollen einen
sorglosen Karneval, bei dem geschunkelt, gesungen und getanzt wird.
An Terror und Drohung soll dabei niemand denken. Das ist
nachvollziehbar, zutiefst menschlich und passt natürlich zum
rheinischen Gemüt. Aber der Fastelovend ist nicht nur Ausgelassenheit
und Spaß an der Freud, sondern immer auch politisch. Als reines
großes Volksfest, das Karneval immer ist, würde dem närrischen
Treiben ohne politische Satire die Würze fehlen. Schließlich ist die
Fastnacht aus dem Spott an den Mächtigen, Bösen und Gierigen
entstanden. Wird der Karneval politisch instrumentalisiert oder gibt
er sich allzu furchtsam, verliert er einen Teil seiner Seele.
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Datum: 29.01.2015 - 20:58 Uhr
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