Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Terror in Dänemark
ID: 1173452
Terroranschlag, der sich gegen Meinungsfreiheit und die Juden
richtete, fielen wieder zwei unschuldige Menschen zum Opfer. Die
feige Mordtat in Dänemark wirft eine Reihe von Fragen auf. Zum
Beispiel die, wie Politiker auf solche Attacken reagieren sollten.
Sie handeln richtig, wenn sie die Tat unmissverständlich verurteilen,
vor Hysterie und Racheakten warnen, der Polizei und den
Sicherheitsbehörden den Rücken stärken, der Bevölkerung das Gefühl
vermitteln, dass alles für ihren Schutz getan wird und wenn sie
betonen, dass es verblendete Islamisten nicht schaffen werden,
Demokratie und Meinungsvielfalt wegzubomben. Und wie hat Israels
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf das Geschehen in Kopenhagen
reagiert? Er rief die Juden auf, nach Israel auszuwandern, weil sie
in Europa nicht sicher seien. Hilfreich war das nicht, schürt es doch
unnötig die Angst der Juden vor Anschlägen zusätzlich. Dabei weiß
jeder: Bei den Behörden in Deutschland, Frankreich oder England
stehen jüdische Einrichtungen auf der Prioritätenliste ganz oben. Und
wie sehr die Sicherheitsorgane - unabhängig von einzelnen
Bevölkerungsgruppen - alarmiert sind, zeigt die Absage des
Karnevalsumzugs in Braunschweig. Eine andere Frage ist es, ob
Veranstalter nicht auf Diskussionen wie »Kunst, Gotteslästerung und
Freie Rede« mit bei Muslimen verhassten Karikaturisten verzichten
sollten, weil sie Anschläge provozieren könnten. Zur Demokratie
gehört Meinungsfreiheit untrennbar dazu, und das bedeutet, dass
Satire alles dürfen muss. Aber das bedeutet auch, dass Karikaturisten
nicht alles machen müssen, was sie dürfen. Wer auf Fehlentwicklungen
und Anmaßungen innerhalb des Christentums, des Judentums und des
Islams mit spitzer Feder hinweisen will, hat auf jeden Fall alles
Recht dazu - zumal dann, wenn unter dem Deckmantel der Religion
Gewalt gerechtfertigt wird. Für den Zeitpunkt einer islamkritischen
Ausstellung oder Diskussion gilt: Unmittelbar nach einem Anschlag
sind sie deplatziert. Sie abzusagen oder zu verschieben, hat nichts
mit Einknicken, sondern mit Augenmaß zu tun. Mangelndes Feingefühl
ist den Betreibern des Kulturcafés in Kopenhagen nicht vorzuwerfen,
schließlich sind seit der Tragödie von Paris fünf Wochen vergangen
und kritische Auseinandersetzungen mit den Religionen sind richtig
und wichtig. Dieser kritische Diskurs fehlt leider in vielen
islamischen Staaten. In ihnen überwölbt Religion alle Lebensbereiche,
bestimmt sie vielfach. Die Trennung von Staat und Religion ist anders
als in Westeuropa (noch) nicht vollzogen. Wenn Allahs Wille und
Ansehen angeblich wichtiger als alles andere sind, ziehen Eiferer
daraus die Rechtfertigung für ihren Krieg gegen die »Ungläubigen«,
wenn die in Wort oder Bild ihren Propheten »beleidigen«. Der säkulare
Islam, den es ja auch gibt, muss sich von »Gotteskriegern« deutlich
distanzieren. Kopenhagen gibt erneut Anlass dazu.
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Datum: 15.02.2015 - 21:00 Uhr
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